Tagebuch Venezuela

Tagebuch Venezuela 13.11. bis 6.12. 2009

Report: Wulf und Eva Kappes, Gert Issen und Wolfgang Nehls
Reiseleiter: Joe Klaiber
Freitag 13.11. Flug Hamburg-Paris–Caracas und Taxifahrt nach Tanaguarena (Hotel „Costa Real Suites“).
Sonnabend 14.11. Taxifahrt vom Hotel zum nationalen Flughafen und Flug Caracas –
Puerto Ordaz; Weiterfahrt mit Jeep über Upata nach El Palmar.
Abendexkursion östlich von El Palmar (ÜN „Hotel“ Parador Taguapire bei Levi ).
Sonntag 15.11. Fahrt von El Palmar nach Osten in Richtung Nordostrand der Serrania de
Imataca (beim Harpyiehorst – 30 km nördlich Forest Reserve – El Palmar (Hotel).
Montag 16.11. Fahrt von El Palmar 30 km nach Osten zum Forest Reserve am Rio
Grande – El Palmar (Hotel).
Dienstag 17.11. Morgens Exkursion 15 km östlich El Palmar, dann Fahrt nach Las Claritas (Lodge La Escalera Barquilla de fresa), Exkursion an der Goldminenpiste.
Mittwoch 18.11. Exkursion in der Sierra de Lema und bis in die Gran Sabana. ÜN Lodge in Las Claritas.
Donnerstag 19.11. Exkursion in der Sierra de Lema und der Gran Sabana. ÜN Lodge in Las Claritas.
Freitag 20.11. Exkursion in der Sierra de Lema; Weiterfahrt durch die Gran Sabana nach Santa Elena (Lodge Posada Los Pinos), Exkursion Straße nach El Pauji.
Sonnabend 21.11. Morgens Flug mit Hubschrauber von Santa Elena auf den Roraima und Kukenam Tepui, dann Rückfahrt mit Beobachtungstops nach Las Claritas.
Sonntag 22.11. Exkursion in der Sierra de Lema, ÜN in Las Claritas.
Montag 23.11. Exkursion in der Sierra de Lema, Escalera. ÜN in Las Claritas.
Dienstag 24.11. Fahrt von Las Claritas über Puerto Ordaz bis El Sombrero (ÜN Hotel)
Mittwoch 25.11. Fahrt von El Sombrero über Barinas nach Altamira (Posada), dann Exkursion zum Balzplatz Anden-Felsenhahn (ÜN Posada Altamira)
Donnerstag 26.11. Exkursionen bei Altamira (Trail) und südlich der Straße nach St. Domingo in den Anden (Kalksteinbruch)
Freitag 27.11. Fahrt in die Llanos nach Hato El Cedral und Jeep-Exkursion (ÜN im Camp Hato El Cedral).
Sonnabend 28.11. Morgens Boots-Exkursion Hato El Cedral, nachmittags Rückfahrt nach Altamira (ÜN Posada)
Sonntag 29.11. Fahrt von Altamira nach Tabay mit einem Abstecher in die Paramo- Region (Paso Pico El Aquila)
Montag 30.11. Exkursion von Tabay zum Humboldt-Trail, NP Sierra Nevada (ÜN Posada Casa Vieja)
Dienstag 01.12. Exkursion von Tabay zum „Elfenwald“ und Paramo (Paso Pico El Aquila)
(ÜN Psada Casa Vieja)
Mittwoch 02.12. Fahrt von Tabay nach La Azulita, ÜN in der Bravera Lodge in den Bergen
Donnerstag 03.12. Ganztags Fahrt von der Lodge über Trachi nach Puerto Concha und zurück; Bootstour auf dem Maracaibo See ins Catatumbo-Delta
Freitag 04.12. Exkursion von der Bravera Lodge bis nach La Azulita (ÜN Bravera Lodge)
Sonnabend 05.12. Frühe Fahrt zum Flughafen in El Vigia und Flug nach Caracas, abends
Weiterflug nach Paris
Sonntag 06.12. langer Aufenthalt in Paris, Weiterflug nach Hamburg
Vor Ort Tagebuchaufzeichnungen
Freitag 13.11. Flug Hamburg-Paris–Caracas und Taxifahrt nach Tanaguarena (Hotel
„Costa Real Suites“).
Rechtzeitig aufgestanden! Wolfgang hat bei uns geschlafen. Sein Auto bleibt im Garten stehen. Die Taxe kommt pünktlich um 5.15 Uhr und bringt uns sehr schnell zum Hamburger Flugplatz. Air France-Flug 2511 um 7.10 Uhr nach Paris. Gert ist zu Fuß gekommen. Wir können alle zusammen einchecken: Das erste Mal am Automaten: 4x hintereinander auf das Display getippt, alles in Ordnung! Schneller Start, dann hängen über ganz Westeuropa viele graue Wolken. Über Paris verbringen wir einige Zeit in Warteschleifen, bevor wir landen können. Herbstliche Bäume mit buntem Laub, grüne Wintergetreidefelder, große Zuckerrübenhaufen sind letzte Eindrücke vor dem Flug nach Südamerika, der um 11.20 Uhr beginnt. Paris meldet 13°C. Ein Spatz unter dem Flughafendach und eine Elster auf dem Rollfeld verabschieden uns für den langen Flug über den Atlantik. (Fensterplatz über den Wolken in der Sonne!)
Landung in Caracas um 15.40 Uhr Ortszeit. An Bord wurden wir gut versorgt: 2 Mahlzeiten und jede Menge Getränke, auch Wolfgang ist zufrieden. Über der venezolanischen Küstenkordillere stehen hohe Wolkentürme, deren Ausläufer bis auf das Wasser hinunterreichen. Nur ganz untendrunter kann man die Sandstrände sehen. Nach einer Stunde ziehen wir mit unserem Gepäck durch den Zoll nach draußen, wo Heinz-Peter mit seiner Taxe auf uns wartet und uns durch den dichten Feierabendverkehr nach Tanaguarena zu unserem Hotel bringt.
In den Costa Real Suites werden wir freundlich begrüßt und beziehen unsere Zimmer. Gert, Wolfgang und Wulf lassen sich ein Abendessen im offenen Restaurant neben dem Swim-mingpool schmecken und genießen die angenehme Tropenluft bei fast 3o°C. Der um 5 ½ Stunden verlängerte Tag lässt uns schnell einschlafen; auch die ständig krähenden Hähne aus der Umgebung stören nur wenig.
Sonnabend, 14.11. Taxifahrt vom Hotel zum nationalen Flughafen und Flug Caracas – Puerto Ordaz; Weiterfahrt mit Jeep über Upata nach El Palmar.
Abendexkursion östlich von El Palmar. ÜN „Hotel“ Parador Taguapire bei Levi.
6 Uhr, 26 ° C bei wenig Wind. Schon um 6 h treffen wir uns über dem 6. Stockwerk auf der Dachterrasse über Palmen und diesen vielen tropischen Blütenbäumen und Sträuchern: Jacaranda, Bougainvillea, Cordelyne, Oleander, Bananenstauden, Rizinus, Codiaeum, Mango und sogar hier silbergraue Cecropien. Dort unten blühen Hibiscus und Wandel-röschen, Hühner, Katzen und etliche Hunde laufen umher. Wir schauen den Leuten in die offenen Wohnungen…
Viel wichtiger sind aber die Vogelbeobachtungen: Ringed und Green Kingfisher, Crested Oropendula, Rufous-vented Chachalaca, über 6o Orange-winged Parrots, Chestnut-fronted Macaws, Caribean Grackle. Im schmalen, grün überwucherten Bachbett entdecken wir Snowy und Gr. White Egret, Tricolored Heron, Tropical Kingbird, Grey-blue Tanager, Spotted Sandpiper. Über dem Meer fliegen Brown Pelican, Magnificent Frigatebird . Zwischen den Palmen jagen Chimachima, Northern Rough-winged Swallows und Black Vultures. Diese ornithologischen Notizen erscheinen später nur in den abendlichen Aufzeichnungen, sonst werden sie viel zu lang!
Die erste Libellenart von hier oben: Pantala flavescens
Vor dem Frühstück schnell einige Runden im Swimmingpool, wo Pandanus (Schrauben-baum) an der Beckenkante wächst! Das Frühstück besteht aus „Corditas“ Maisküchlein, Rührei, Schinken, frischen Ananas und Melonenstücken, Kaffee, Tee und frisch gepresstem Saft. Vielen Dank für die gute Bewirtung!
Wir haben noch Zeit zum Beobachten und gehen über einen ehemaligen Sportplatz zum Strand. Rucksäcke und Papiere nehmen wir vorsorglich nicht mit! Besonders freuen wir uns über 2 Pearl Kites in einem kahlen Baum. Ich lasse mir die Füße vom Meer bespülen. Hohe Wellen kippen am Strand unten um, werden überrollt und schicken das Wasser ganz weit auf den Strand hinauf. Vorn auf der Mole am Bachausfluss stehen Angler. In der Furt vor der Mündung werden Autos gewaschen. Eine ältere Dame geht mit ihrem großen Hund und dickem Knüppel spazieren. Weiter in der Bucht nach Osten werden Liegestühle unter Palm-wedelschirmen vermietet. Heute ist Sonnabend und einige Autos stehen schon dort. Es ist sehr schön warm und luftig. Muscheln liegen hier nicht, nur kleine und große Steine.
Um 10 Uhr werden wir wieder von einer Taxe abgeholt und zum Flugplatz Maiquetia gebracht. Unser großartiger Chauffeur macht alles für uns und schickt die „alten“ Leute auf den richtigen Weg zum nationalen Flugplatz!
Der Conviasa-Flug 2384 beginnt erst um 12 Uhr 45 mit einiger Verspätung! Über dem Meer geht es nach Osten. Genau wie gestern stehen hohe weiße Wolkentürme über der Küsten-Kordillere. Es erfolgt ein starker Aufstieg der Maschine weit über die Kumuluswolken hinaus in die Sonne. Das Land unter uns ist stark besiedelt. Sehr schnell geht es dann wieder hinunter. Wir sehen den großen Orinoko-Fluss mit Inseln, Sandstränden und ausgedehnten Sumpfflächen. Weiter südlich blinkt das Wasser des riesigen Lago Guri: Stausee des Rio Caroni. Um 13 Uhr 40 ist die Landung in Puerto Ordaz abgeschlossen. Wir warten auf unser Gepäck und hoffen, daß Joe es geschafft hat. Selbstverständlich winkt er vor der Absperrung und ist in seinem grünen Hemd sofort zu erkennen: Wir freuen uns alle auf die nächsten Urlaubstage zusammen.
Heute heißt das Ziel El Palmar. Die Strecke führt durch hügeliges Land über Upata. Hier fin-det Joe ein Straßenrestaurant mit Hähnchenteilen, Kohl-Wurzel-Salat, Maniokstücken und in Scheiben geschnittene Maismehl-Rollen. Wir sind gleich mitten in der venezolanischen Küche! Wolfgang bangt bereits um sein Wohlergehen, es könnte ja wirklich „Culantro“ am Essen sein. Selbstverständlich jedes Mal!.
Diese hohen Wolken begleiten uns die ganze Fahrt: hin und wieder leichter Regen, wunder-schöne Regenbogen. Mittags liegt die Temperatur wohl bei 36°C.
Joes Auto ist ein viersitziger Pickup mit einer Pritsche. Eine stabile Planenabdeckung ver-schließt diesen „Gepäckraum“. Fast immer sitze ich hinten in der Mitte zwischen Gert und Wulf, Gert und Wolfgang. Ganz selten nimmt Gert auch einmal den vorderen Beifahrersitz ein. Nur wenn hinten jemand einschläft wird die Sitzverteilung problematisch: Wir haben es am Ende aber doch alle ganz gut überstanden.
In El Palmar werden wir im Hotel Parador Taguapire von Levi begrüßt. Sein Anwesen ist hier im Ort das einzige, wo Joe Zimmer mieten konnte. Wir stellen unser Gepäck ab und fahren ganz schnell wieder los, um das letzte Licht für die ersten Beobachtungen zu nutzen. Bis zum Dunkelwerden ist es auf dieser starkbefahrenen Strasse sehr interessant, obwohl wir alle paar Minuten beiseite hüpfen müssen. Nach 3o km endet diese Strasse in Santo Domin-go am Rio Grande vor der Grenze nach Guyana.
Nach dem Abendessen sitzen wir alle zusammen über der Vogel-Liste, freuen uns über jede neue Art und die wieder erkannten aus früheren Reisen. Hier ist es aber anders als in anderen Teilen Venezuelas, anders als in Ecuador, Costa Rica oder Belize!
Morgen soll es sehr früh losgehen, also ganz schnell schlafen. 26,5°C, es muß ohne die viel zu laute Air Condition gehen. An der Wand hangelt sich ein kleiner Frosch empor (Name?).
Sonntag, 15. November 2009 El Palmar – Serrania de Imataca – Forest Reserve
3 Uhr 30 geweckt, 4 Uhr gefrühstückt, 4 Uhr 30 los: Joe hat Xavier für die nächsten zwei Tage als ornithologischen Führer gebeten, uns in den Randgebieten der Serrania de Imata-ca zu begleiten. Die Tagesgage ist nicht gering: so dürfen wir auch eine große Besonderheit erwarten: den Brutplatz des Harpyie-Adlers.
Wie gestern abend fahren wir nach Osten und biegen nach einer halben Stunde in eine Fahrspur in eine gerodete „Urwald“fläche ein. Den Wagen stellt Joe bei einer kleinen Farm ab, über deren Obstbaum-Gelände führt ein Trampelpfad in den Wald. (Coraia Wren, Grey-fronted Dove, Paradise Tanager, Green Oropendola, Black Nunbird, Mealey Parrot, Screaming Piha, dieser laute Peitschenvogel!, Dusky Antbird) Xavier rennt in seinen Gummistiefeln voraus. Wir müssen frühmorgendliche Töne und Geräusche in uns aufneh-men und hinterhereilen! An einem riesigen Baum bleiben wir erwartungsvoll stehen. Hier endet der ausgetretene Pfad zum Adlernest. Dort oben sitzt ein junger Harpyie-Adler auf einem Ast von Ceiba pentandra (?). Länger als eine halbe Stunde verfolgen wir alle Bewe-gungen des schon flüggen Jungtiers. Ein Alttier erscheint in dieser Zeit nicht. Wir gucken immer wieder durch unsere Fernrohre. Obwohl die Entfernung doch etwas groß ist, gelingen auch schöne Teleaufnahmen. Um uns herum sind Purple-throated Fruitcrows, Red-rumped Cacique, Dusky Parrots. Wir hören dunkle Hu-Rufe vom Black Curassow! Ein irrer Sirenen-ton einer Zikade klingt in unseren Ohren. Sie fliegt glücklicher Weise ein Stück weiter.
Um 7 Uhr wird es schon richtig warm. Wir trennen uns von diesem Wunschvogel und gehen zu der kleinen Farm zurück. Rotbeerige Ingwerpflanzen fallen uns auf, Acanthaceen, Melastomataceen, Heliconien: alles unbekannte neue Pflanzenarten. Vielleicht können wir zu Hause einige nach den Bildern bestimmen. Für die Vögel haben wir ja Joe mit seiner enormen Stimmenkenntnis, und einiges aus den Büchern haben wir doch auch auswendig gelernt!?
Am Farmhaus gibt es kleine Tassen mit heißem sehr süßem Kaffee. Ich erbitte mir einige der dunkelblauen Früchte, die wie Oliven aussehen, etwas größer sind und leicht säuerlich schmecken. Sie heißen Uvas. Wir exkursieren auf der Piste am Waldrand entlang. Joe holt immer wieder das Auto hinterher: kleine Flächen mit Mais, Zuckerrohr, Hirse, Kaffee, Kakao. Auf einer gerade abgebrannten Fläche stehen nun Baumleichen, darunter Paprika-Pflanzen! Die Vogelliste wird immer länger. Black-tailed Tityra, Swallow-winged Puffbird, White-rumped Antbird (knicks,knicks), Buff-throated Woodcreeper, Spotted Tanager in einer Cecropie, 20 Painted Parakeets rasen schreiend an uns vorbei. Ein wunderschöner Morpho-Falter gaukelt im Baumschatten. Die großen Red Howler Monkeys brüllen dort hinten im Wald bei dem Harpyie-Adler.
Wolken und ein bißchen Wind sind sehr angenehm. Die ersten Libellen im hohen Gras lassen sich noch nicht bestimmen. Hier ist es jetzt sehr feucht, und vor Chiggermites haben wir alle Bedenken!
Über uns Brown-chested Martin, R – w Swallows, 2 King-Vultures, Greater Yellow-headed Vulture, 2 x Hook-billed Kites, Short-tailed Swift, vorher Red-throated Caracara. Hier wird Yukumo angebaut, eine Art Colocasia, deren Wurzeln / Knollen gegessen werden können.
Wir sind wieder auf der befestigten Strasse Richtung Rio Grande östlich El Palmar:
An einem Waldrand-Tümpel finden Wulf und Gert wohl neun Libellenarten, die später nach den Fotos bestimmt werden können. Hier haben wir eine Höhe von 290 m. Die Position wird mit GPS bestimmt. Wenig weiter finden wir ein zweites Gewässer, diesmal ein „Binsen“-Sumpf mit wohl 4 Arten. Nebenbei dann Crested Bobwhite, 1 schöner Pearl-Kite und viele Kuhreiher.
Joe fährt jetzt zu einem Forest-Reserve: Er lädt uns erst einmal auf einen Friedhof ein: Wir besichtigen die riesigen „Baumleichen“. Es stimmt ja, obwohl ich bei diesem ausgedehnten Holzlager gleich an Leimholzplatten, Bretter und Leisten gedacht habe (Verzeihung). Wir werden eingelassen und dürfen im Reservat (forstlich genutzt) exkursieren. Dies tun wir dann auch den ganzen Tag. In einem Seitenweg gibt es dann um 13 Uhr Picknick: Hühnchenteile, für die Senora alles Gemüse roh: Gurke, Möhre, Paprika – sehr schön – für die Herren alles gekocht. 31° C.
Joe lockt immer wieder Musician Wren und Ferruginous-backed Antbird: Antworten ja, Kommen nein! Erst am Spätnachmittag, als wir gerade das Waldgebiet verlassen wollen, sehen wir den musikalischen Zaunkönig ganz großartig! Joe hat hier einmal von der Strasse aus an einem Nachmittag 4o verschiedene Arten gesehen. Heute sind es etwas weniger, wir sind aber sehr zufrieden, auch wenn es manchmal ein wenig still war.
Gegen 17 Uhr fahren wir zurück. (27,4 km ab Forest Reserve)
Little Chachalaca, Chimachima, Southern Lapwing, Tillandsien an den Stromleitungen, Painted Parakeet, 1. Nachtschwalbe: Pauraque, 2. N. wohl Blackish Nightjar?, häufig Smooth-billed Ani, vorher Violaceous Jay.
Nach dem Rindfleisch-Reis-Bananenscheiben-Schwarze Bohnen-Essen (doch etwas Salat) gleich zum Schlafen und duschen. Ach ja, die Liste ist dann sicher ohne mich fertig geworden. Gert hat in den letzten Tagen leider schrecklich gehustet, jetzt wird es langsam besser. Wolfgang hat seine Erkältung auch gut überstanden!
Montag, 16.November 2oo9 El Palmar – Serrania de Imataca – Forest Reserve
5 Uhr 45, 25,2° C
Wir holen Xavier in seinem Dorf ab. Immer wieder Strassenhalt mit Vögeln: Savannah Hawk, Lesser Yellow-headed Caracara, T.K. (=Tropical Kingbird), Tropical Mockingbird, Eastern Meadowlark, Cassia, Allamanda, blühender Cactus, Euphorbia pulcherrima, Bromelien, Cocosnuss-Plantage, Strasse mit Löchern, Papaya-Plantage.
Über uns wieder diese schönen hohen weißen Wolken, leichter Wind.
Im Forest Reserve geht es kreuz und quer durch den Wald auf der Suche nach Soldaten-ameisen. Ihren Strassen folgen dann wohl Antpittas, -thrushes und -birds. Wir machen dank Joes und Xaviers Stimmenkenntnissen sehr schöne Beobachtungen, auch wenn die beiden nicht ganz zufrieden sind. Dafür entdecken wir überall Libellen: eine rote „Orthemis??“Art mit gelben Punkten außen auf dem ersten und zweiten Segment, lila Abdomen und Klappen-Ansätzen, dann fliegt hier das „Gomphus“-Tier von gestern; auf dem Weg saust eine „Gynacantha“ vorbei.
Wulf stellt die Uhrzeit auf der Kamera um: zuerst minus 4 ½ Stunden oder 5 ½ ? Die Koordinaten des Reserves hier auf dem Hauptweg betragen N 8° 6, 524 und W 61°, 40,975. Vielleicht können wir den Standort auch auf der Karte lokalisieren.
Hoch oben in einem Baum mit lila Blütenrispen können wir durch das Fernrohr eine Fork-tailed Woodnymph bestimmen. Eigentlich ist es um diese Zeit ereignislos hier!? Wir gehen weiter und kommen zu einem Tümpel neben dem Weg: Wasserlinsen-Decke, Cyperus, Asclepidaceen, Ranke, Jacaranda, Ficus, Melastomataceae, Palmen-Ranken, Glyceria-ver-wandtes Gras und natürlich Libellen zum Fotografieren!
Rückweg zum Auto. Joe fährt den Wagen in einen Waldweg hinein. Hier gibt es im leichten Schatten das Mittags-Picknick. Wir finden eine ovale Landschildkröte mit Punkten auf dem Körper. Dann Piha angucken: Sehr schön! Wir starten wieder eine Wanderung durch den Wald. Joe und Xavier vorweg, wir hinterher. Unbekannte Sirrr-Töne, viel Laub auf dem Boden, viele junge Bäume. Auf manchen glatten Stämmen haften interessante Blattpflanzen mit ganz platten Trieben. Hier sind Foliagegleaner, Woodcreeper und Honeycreeper zu Hause! Gert entdeckt ein „Chamaeleon“ an einem Stamm, auch eine Coenagrionide hat er mitten im Wald fotografiert. Es geht einen leicht steilen Abhang hinunter.
Um ¼ vor 3 Uhr trinken wir am Auto erst einmal reichlich Wasser! Eine wunderschöne große Libelle steigt wie ein Helicopter immer auf und nieder: klar! später kann sie dann genau bestimmt werden.
Von der Forststrasse aus lockt Joe nun doch den Ferruginous-backed Antbird heran: der Vogel ist viel schöner als die Abbildung im Buch! Wir entdecken noch eine andere Wasserstelle neben dem Weg: Männchen und Weibchen vom Fulvous-crested Tanager tummeln sich im Wasser. Sie waren hier im Schatten nicht leicht zu bestimmen.
Joe unterschreibt im Reserve-Office unseren Aufenthalt und bedankt sich. Auf dem Rückweg erhält Xavier seine Tagesgagen. Wir bedanken uns für seine großartige Begleitung und setzen ihn wieder vor seinem Haus ab. Auf der Rückfahrt exkursieren wir mit mehreren Stops weiter.
Morgen geht es nach Las Claritas weiter. Deshalb fahren Joe und Wolfgang jetzt gleich in den Ort, um Wasser, Eis für die Kühlbox und Cola für Joe zu kaufen. Wir packen inzwischen unsere Sachen und bereiten die Liste vor. Sie wird selbstverständlich nach dem Abendessen fertiggestellt.
Dienstag, 17. November 2009 El Palmar – Fahrt nach Las Claritas
Vor der Weiterfahrt in den Süden nach Las Claritas wollen wir einige Stunden hier bei El Palmar beobachten. Nach dem Frühstück um 5 Uhr fahren wir nach draußen. Vom Strassen-rand aus gibt es Tanager, Flycatcher, 2 Venezuelan Troupials, in der Ferne brüllen unsere großen roten Verwandten, fast einhundert Black Vultures hocken noch in ihren Schlafbäu-men, Anis, Yellow-headed.Caracara, T.K. Der nächste Stop in einer Senke bringt 1 Zone-tailed Hawk und eine Geschichte von Joe.
Hier steht ein großer „Lederfarn“, Sumpf-Amarilles ähnlich großen Fresien (?), Stachytarphe-ta, Sida behaart, Mimosa pudica, ein großes braunes Cyperngras, weiße Lamiaceen-Knöpfe, auf allen Baumresten Bromeliaceen: vielleicht finde ich Bestimmungsmöglichkeiten, Wulf fo-tografiert viele der jetzt noch unbekannten Pflanzenarten. (Beim Schreiben dieser Tagebuch-notizen im März 2010 liegt die Flora von Venezuelan Guayana bereits hier bei uns auf dem Tisch; die Bestimmungsarbeit wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen!)
Jetzt geht es vorrangig um Vögel: Red-crowned Woodpecker, Cattle Egret, Barred Antshrike, Turkey Vultures, Trop. Mockingbird, Turquoise Tanager, Ruddy Ground-dove.
Um 9 Uhr 4o haben wir im Hotel unsere Sachen gepackt, Joe hat abgerechnet, wir beobach-ten an den Feedern im Garten und unterhalten uns über tropische Gartenpflanzen rund um die Welt.: Christusdorn, Pampelmusen, Weinreben, Hibuscus sinensis, Begonien, Cataranthus, Flamingoblumen, Oleander, Annonenfrüchte, Papaya, Mango, Wandelröschen mit Hummingbird. Joe fährt zum Tanken. Abfahrt KM 81048
Eine Abkürzung führt zur Hauptstrasse nach Santa Cruz, dann geht es nach Süden. An einem Wasser-Reservoir müssen wir um 10 Uhr 15 natürlich anhalten: Crested Caracara, Savannah Hawk, Southern Lapwing, Great White Egret, Wattled Jacarna, 3 Short-tailed Swifts. Jetzt fahren wir durch eine offene Chaparral – Landschaft!
In Guasipati sieht Wulf 1 Purple Martin, Wolfgang schläft schon ein wenig. Gleich die erste Polizei-Kontrolle: Reisepässe zeigen, Autopapiere zeigen, dann aber gleich weiter. 2 Stun-den später wieder eine Kontrolle.
Joe fährt zur Mittagspause auf die alte Bogenbrücke über den Rio Curuni: sehr eindrucksvoll! Wir gehen zu Fuß hinüber und schauen auf den Fluß hinunter. Lehmfarbiges Wasser zieht in Massen unter uns hindurch. Wulf macht schöne Fotos von der a!ten Konstruktion. Wir hok-ken auf der Seitenbegrenzung und lassen uns das Picknick aus Levis Küche schmecken:
Vielen Dank! Gert klettert den steilen Hang zum Fluß hinunter und begegnet einer kleinfin-gerdicken grünen Schlange mit einem braunen Band. Dort unten liegt ein altes Boot: wahr-scheinlich wohnen dort auch Leute.
Joe macht mit uns einen Abstecher in die Goldgräberstadt El Dorado, nur gucken, nicht aus-steigen. Wieder auf der Hauptstrasse, dann San Miguel de Betania. Jetzt liegt die Sierra de Lema vor uns. Um 14 Uhr stehen wir in Las Claritas vor Henrys verschlossenem Gartentor und bemühen uns, mit Hupen und Klingeln seine Aufmerksamkeit zu erringen. Endlich hat er gemerkt, daß seine Gäste angekommen sind und begrüßt uns alle sehr herzlich.
Wir bringen unser Gepäck in einen schönen Bungalow, wo Gert später das Appartment di-rekt neben uns bezieht. Joe und Wolfgang erhalten Zimmer im Haupthaus. Hier benötigen wir keine Moskitonetze, Wolfgang stöhnt allerdings über die vielen Mücken in seinem luftigen Raum. Auch in El Palmar haben wir aus Mückenmangel auf die Netze verzichtet.
Dieser Garten bringt uns mit seinen vielen Hummingbird-Feedern so viele Arten, daß wir uns sehr freuen. Im Haupthaus sind 26°C, auf der Porch 34 °! Es ist doch ganz schön schwül.
Las Claritas und San Isidro gehen ineinander über: km 88 auf der Landkarte!
Joe fährt mit uns eine Strasse nach Westen bis zu einem Waldplatz vor einem Goldgräber-Camp. Hier hat er schon oft beobachtet. Ein Gleichenia-Farn überzieht die Strassenhänge, Cecropia-Bäume lassen uns im letzten Licht immer wieder in die Kronen gucken:
Rufe vom Variegated Tinamou, White-throated Toucan, Swallow-winged Puffbird, Grey-rumped Swift, 4 Black-necked Aracaris, eine Ranke mit weißen Tüten.
Zwei Geländewagen fahren vor, die bewaffneten Leute bieten Joe Geleitschutz an. Sie gehören zu der Gold-Mine. Eigentlich sehen sie wenig vertrauenerweckend aus, haben wohl aber nichts dagegen, daß wir gerade hier Vögel beobachten möchten: Wir kehren auch noch zweimal wieder hierher zurück! Jetzt finden wir Red-necked Woodpecker und dann Crimson-crested Woodpecker, der in voller Aktion hämmernd in einer Lücke zwischen zwei Bäumen zu sehen ist. Phantastisch im Rohr und auf der Kamera. Über die rote Staubpiste (von hier weiter Schlammpiste) zurück in den Ort: wirklich Goldgräber-Atmosphäre, was man sich so darunter vorstellt! Wolfgang kauft mit Joes Begleitung und Bewachung Zigaretten.
Wir sitzen auf der Porch, dem Wintergarten von Henry, und schreiben Vögel auf, studieren die Bildbände über den Roraima-Tepui, auf dem Henry mit seiner Tochter schon zu Fuß ge-wesen ist, über die Gran Sabana und freuen uns auf morgen: Ausflug in die Sierra de Lema.
Wolfgang hat nach vier Tagen 25 neue Arten, die mit einem tollen öligen Rum begossen werden. Es gab zartes Rindfleisch in dunkler Soße mit Broccoli und Reis, Eva: Hühnerfleisch Weißbrot mit Kräuterbutter, alles sehr lecker. Vielen Dank, wir haben dann gut geschlafen:
Mittwoch, 18. November 2oo9 Las Claritas – Sierra de Lema
Um 2 Uhr 08 singen die Brüllaffen ausdauernd im Wald. Ab 4 Uhr fahren reichlich Lastwa-gen in den Ort, Hunde bellen, Hähne krähen. Henry schaltet draußen Lampen an, um 4 Uhr 15 stehen wir auf, duschen fröhlich und gehen um 5 Uhr zum Frühstück; an diese Zeiten kann man sich schnell gewöhnen, wenn es immer schon um ½ 9 Uhr ins Bett geht und nicht erst um 24 Uhr , wie zu Hause!
99 % Luftfeuchtigkeit, 26 ° C. Es ist schon hell! Joe hat seine Mühe mit uns!
Von Las Claritas zur Lichtung vor der Goldmine. Es ist eine Löcher-Piste mit ganz tiefen Kuhlen. An manchen Stellen steht neben der Strasse richtiger Sumpfwald. Dort sitzt oben auf einem Busch ein Kleines Sultanshuhn! Dieses Mal kümmert sich niemand um uns; es ist wohl noch zu früh. So stehen wir mit unseren Spektiven am Strassenrand und suchen den Waldrand ab: White-breasted Toucan, Channel-billed Toucan, Crested Oropendula, Cayenne Jay, Dusky Antbird; Rufe vom Chestnut Woodpecker und in der Ferne die Eisensäge-KREISCHTÖNE vom Capuchine Bird! Wolfgang nimmt diese verrückten Töne mit seinem kleinen Gerät auf, wir freuen uns allein über diese „Rufe“. Heute dringen wir nur zwanzig Meter in den Wald ein. Morgen wollen wir mit Henry versuchen, weiter an diese tollen Vögel heranzukommen. So nebenbei zeigt Joe uns drei verschiedene Woodcreeper Arten, Warbling Antbird,(Rufe). Dann folgen Tanager, Euphonia, White-tailed Trogon, Purple Honeycreeper, Ruddy-tailed Flycatcher. Mealey Parrots kreuzen laut schreiend die Waldstrasse. Immer wieder mühen sich kleine Trucks mit einigen Leuten unbeschadet durch die vielen tiefen Löcher auf der Piste weiter zu den Claims zu kommen. Es bleibt wirklich niemand stecken, keiner kippt im rotbraunen Wasser um. Irgendwo da hinten müssen sie wohl arbeiten: Gold schürfen??? Wir entdecken vor der Rückfahrt zum Ort ein Golden-spangled Pikulet! Toll!
Im Ort stehen um 8 Uhr 100 Autofahrer vor DER Tankstelle: eine schöne ordentliche Schlan-ge. Wenn wirklich Benzin da ist, werden sie wohl heute Abend fertig sein.
Jetzt geht es hier von KM 88 aufwärts in die dicht bewaldeten Berge: Sierra de Lema. Bei KM 111,5 ist der erste Beobachtungsstopp: Nach wenigen Minuten ist ein großer Wunsch dieser Reise bereits erfüllt: Es erscheinen sofort mehrere Guianan Cock of the Rock, sogar ein braunes Weibchen zeigt sich. Eigentlich hätten wir ja viel länger suchen müssen, so erscheint es alles so einfach, wie auf Bestellung. Joe hat die Vögel alle angemailt und zu unserem Vergnügen herbestellt! Nun können wir ja Pflanzen und Libellen beobachten! Pipergewächse, rote Heliconienblüten. Die Asphaltstrasse bildet nur eine winzige Schneise in diesem grandiosen Bergwald und gibt uns die Möglichkeit an verschiedenen Stellen nur einfach hineinzuschauen. Gert befreit eine Aeschnide aus einem Spinnennetz, er wickelt sie richtig aus, damit sie fotografiert werden kann. Möglichkeiten zum Präparieren haben wir nicht. So werden nur die Flügel konserviert.
Auf einer Höhe von ca. 1000 m erleben wir eine große Überraschung: Hier tritt der Wald an einer weißen Sandsteinwand zurück. Zuerst denken wir an einen Kalksteinbruch, aber es ist wirklich auf der Fläche davor nur ganz, ganz feiner, sehr feuchter Sand. Hier müssen Quell-austritte sein: Wulf und Gert entdecken verschiedene Libellenarten und sind ganz begeistert! Ich natürlich auch: Einige dieser Pflanzen hier habe ich in dem großartigen Buch von Uwe George „Inseln in der Zeit“ schon gesehen, sie wachsen danach nur auf den Tepuis. Wir ent-decken sie hier!!! Später kann ich sie nach der Flora von Venezuelan Guayana bestimmen?
Wolfgang und Joe beobachten ein wenig abwärts in einer Kurve an noch nicht bestimmten rotblühenden etwas höheren Büschen wunderschöne Tanager und Hummingbirds, Banaquit und Swallow-winged Puffbird, dazu Greater Yellow-headed Vulture, Blue and White Swallow. Endlich hören auch wir die von Joe angekündigten Bellbird-Rufe, aber nur in weiter Ferne.
Unsere weiße Sandfläche nimmt uns vollkommen in Anspruch: blühende Büsche aus der Melastomataceen-Familie, Clusia(?)-Büsche mit sehr großen Knospenbällen und weiß-rosa Blüten. Seltsame Cyperaceen (?), Knopfpflanzen wie das Eriocaulon aus Florida; Wasserschlauch und Sonnentau, wilde Ananaspflanzen? Wir finden einen weiteren Platz mit Keulen-Bärlapp, drei Ericaceen, 4-5 Orchideenarten etwas weiter oben an der Strasse. Hier ist der Wald nicht mehr so hoch und weniger dicht: Büsche und niedrige Bäume bilden die Hauptvegetation mit vielen kleinen Blütenpflanzen auf feuchtem Sanduntergrund. Wieder Bellbird-Rufe aus der Ferne, ein Broad-winged.Hawk, gleich 10 Fiery-shouldered Parakeets! Ganz dicht 1 White Hawk, 1 King Vulture. Joe lockt den Coraya Wren: husch, gesehen!
Für das Mittags-Picknick fährt Joe den Wagen in einen Seitenweg. Hier stehen die alten Reste eines Camps. (Strassenarbeiter, Militär? Indianer? Touristen?) Unsere Fantasie ist groß! Hier ist fließendes Wasser, und damit fliegen Libellen. Erst essen, dann fotografieren. Hier auf 1.4oo m Höhe wachsen Baumfarne, Farne und viele Bromelien und Orchideen auf allen Bäumen. Dies ist nur ein schmaler Streifen zwischen der Strasse und der breiten Schneise einer Überlandleitung.
Am Strassenrand wird der Beginn des Canaima Nationalparks mit einem großen Schild angezeigt.
Wir fahren aus den Bergen hinaus in die Steppe der Gran Sabana: faszinierend diese leicht gewellte Hochebene mit den daraus emporragenden Tafelbergen. Heute sehen wir sie nur in weiter Ferne. Hier in der Nähe befindet sich für uns mitten in der Wildnis eine Tankstelle, an der Joe für 5,28 Bol. 54,40 ltr Benzin tankt! Es geht gleich wieder zurück in den Wald der Sierra de Lema. Joe nimmt diese seltsame Stimme auf, die wir schon vor drei Stunden gehört haben. Er kann sie nicht unterbringen! Wolfgang selbstverständlich: Oki, Oki, Schnork, Schnork, der Waldrohrschwanz. Wir lachen alle ziemlich laut. Wulf rät: es wird Zeit, daß du dich eine Runde hinlegst! Jetzt sind wir natürlich alle fit für Roraiman Warbler, Sepia-capped Flycatcher, Warbling Antbird (Stimme wie ein sterbender Schwan), Weibchen und Männchen vom Scarlet-horned Manakin, richtig mit zwei roten „Hörnchen“; White-winged und Speckled Tanager. An der ersten „Heidefläche“ von vorhin Rufous-breasted Sabrewing, endemisch hier! und Brown Violettear. Um 18 Uhr sind wir zurück in Las Claritas und werden von Henry begrüßt. Wir freuen uns schon auf das Abendessen, das liebevoll von Henrys Frau zubereitet wird.
In den Bücherregalen auf dem Flur stehen viele interessante Bildbände und Abhandlungen über die Gran Sabana und die Tepuis: Ich habe gar nicht soviel Zeit, mir ganz schnell alles anzueignen. Viele Pflanzennamen schreibe ich auf, und beschreibe die Arten. Als erstes no-tiere ich den Namen der Flora of the Venezuelan Guayana, Verlag, Herausgeber, Erschei-nungsdatum etc.: Zwei Monate später hilft die Firma Koeltz bei der Beschaffung!
Hier bei Henry steht der Band 1 mit einer umfassenden Einführung. Während Joe, Wolf-gang, Gert und Wulf diese hohe Anzahl der heutigen Vogelarten locker und leicht zusam-menschreiben, vergessen wir beinahe das Essen.
Donnerstag, 19. November 2009. La Claritas – Sierra de Lema –Gran Sabana
Um 5 Uhr 30 zeigt das Hygrometer „105“ % Luftfeuchtigkeit bei 25 ° C. Unser Frühstück besteht aus Kaffee, Tee, Milch, Yoghurt, Käse, einer Art Grahambrot, auch Marmelade und Honig.
Draußen herrscht Nebel. Heute Nacht habe ich keine singenden Brüllaffen gehört. Jetzt fahren wir mit Henry erst einmal wieder zu dem Platz vor der Goldmine. In den Urwald führt so etwas wie ein Ornithologenpfad. Wir gehen weiter als gestern hinein: tatsächlich nähern wir uns den Rufen der Capuchine Birds immer mehr, bis wir wirklich 4 Exemplare sehen können! Hier ist die Vegetation tropfnaß, wir streifen ständig kleine schwarze Fliegen ab. Palmen bilden einen großen Bestandteil der Bäume.
Wieder geht es zurück in den Ort und dann in die Sierra de Lema. Wulf fährt mit Henry zu-sammen in seinem großartig gepflegten ziemlich alten Landcruiser. Diesmal halten wir beim KM 98 bei der Quelle Piedra de la Virgen an, um Wasser zu trinken. Vielleicht habe nur ich das sicher heilkräftige frische Quellwasser probiert!? Dann folgen dieselben Beobachtungs-stopps wie gestern, mit immer neuen Vogelarten, wie der Flötenkönig-Ruf und der Masked Trogon groß im Fernrohr. Auch die Tepui-Vegetation auf der Drosera-Fläche und das Libel-lenwasser über der steilen Straßenkante besuchen wir erneut und freuen uns über neue Entdeckungen. Wulf macht die Bekanntschaft mit einer großartigen Ameise, die ihn zwar sticht oder besser zwackt, aber glücklicherweise nichts mit dem 24-Stunden-Tier zu tun hat. Wieder machen wir einen Abstecher auf die Gran Sabana: dieses Mal bis zu einem Rastplatz oberhalb vom Rio Aponwao. Indianer vom Stamm der Aponwao betreiben hier in der Hauptsaison ein Restaurant mit Grillplätzen und Tischen und Bänken unter einem hohen Dach. Henry ist hier bekannt, so daß wir unser Mittags-Picknick hier verzehren können. Eine Morgenammer singt. An diesem Schwarzwasser-Fluß wippt ein Spotted Sandpiper, Burnished-buff, Black-faced, und Black-headed Tanager und über uns Black Vultures. Am Ende der Straßenbrücke blüht eine großartige Orchidee: Sombralia liliastrum! Leider fliegen hier zu viele unangenehme Insekten; wir fahren zurück bis zum „Denkmal des Piñero“. Hier beginnt es zu regnen! Wolfgang und ich wollen im heißen Auto warten, aber nur wenige Augenblicke, dann öffnen wir die verschlossene Autotür von innen und die Alarmsirene der Diebstahlssicherung beginnt sofort in höchsten unterschiedlichen Tönen zu heulen. Joe muß gelaufen kommen, um diese Lärmbelästigung auszuschalten. Leider können wir an unserer Hilflosigkeit nichts ändern. Es sind ja keine anderen Leute hier, die sich beschweren könnten. Jetzt ist der ganze Himmel stark bewölkt. Henry fährt mit Wulf nach Las Claritas zurück. Dort hinten im Süden brennen die Indianer einen Teil der Gran Sabana ab, wir können die Rauchschwaden sehen. In einem Clusia-Gebüsch sitzt ein Brown Jacamar, Eastern Meadowlarks fliegen über die Straße, ein Chimachima wartet im Regen.
Wir halten auf der Rückfahrt an den gleichen Stellen wie gestern und heute morgen. Gert sieht den Schokoladenkopf des Tepui Brushfinches als erster, wir erst nach fünfzehn Minuten. Längere Zeit bleiben wir wieder am „alten Camp“, weil man hier ohne Autoverkehr sehr gut beobachten kann. Sieben Goldentufted Mountain Grackle kommen geflogen, setzen sich in einen Baum und streichen laut schreiend wieder ab. Orange-bellied Manakin, Velvet-browed Brilliant, Black-faced Tyrannulet, Tanager, Euphonia, Smoke-colored Pewee und Tropical Parula… Die dicken Wolken schieben sich weiter. Wir fahren zurück. Joe fährt sofort zum Tanken, weil diesmal keine lange Schlange die Zapfsäulen belagert.
Bei Henry im „Wintergarten“ Liste schreiben, intensiv Bücher durchsehen, Essen nicht vergessen und rechtzeitig schlafen gehen!
Freitag, 20. November 2009
Rechtzeitig starten wir bei leichtem Nebel zu unserem Ausflug nach Santa Elena de Uairen. Auf der Straße sehen wir ein totes Opossum. Heute rauscht bei KM 111,5 das Wasser vom Berg, so stark muß es gestern geregnet haben. Selbstverständlich können wir an guten Beobachtungspunkten nicht einfach vorbeifahren: Red-banded Fruiteater, Bananaquit, Straight-billed Hermit, American Redstart, ein Squirrel. Der Flötist singt wunderschön. Am „Alten Camp“ schauen wir alle zusammen den Tepui Brushfinch an, den Wulf gestern noch nicht mitgesehen hatte. Bis zur Tankstelle springen wir immer wieder aus dem Wagen, um schöne Vögel zu beobachten, auch eine gelbliche Männchen-Orchis mit Hörnern und roten Flecken auf der Unterlippe (Fotos zum nachträglichen Bestimmen sind sicher gut.) Wenig weiter eine Polizei-Kontrolle, dann heißt es den Tank auffüllen: für 13,3 ltr Superbenzin bezahlt Joe 0,99 Bol = 0,22 USD!!! Im Kiosk kostet ein Päckchen gesalzene Erdnüsse 10 Bolivares: dies nur zum Vergleich!
Im Osten erheben sich im Dunst über der Steppe die Guayana-Berge. Wir befinden uns jetzt auf 960 m Höhe. Neben der Straße hat sich eine langgestreckte Wasserlache gebildet mit vielen gelben Wasserschlauch-Blüten: Sehr schön ein Greater Yellowlegs und gleich zwei großartige White-rumped Sandpiper. Alle Limikolenfreunde dürfen ein bißchen aus dem Häuschen sein! Auf der anderen Straßenseite staunen wir über diese merkwürdigen röhren-ähnlichen Pflanzen: Brocchinia hechtioides (?) aus der Familie der Heliconiaceae. Leider sind jetzt keine Blüten zu sehen, sondern nur alte Fruchtstände.
Am Salto Kawi stellen wir den Wagen ab. Joe bestellt sich gleich einen Aufpasser, wir können also in aller Ruhe Libellen beobachten , ein wenig im flachen Wasser auf wunderschönem roten Steinuntergrund plantschen und oben am Wasserfall vorsichtig das ausgestreckte Bein in das herabfallende Wasser strecken, ohne umgeworfen zu werden. Am nächsten Wasserfall Salto Kama blicken wir von oben auf das 60 Meter hinabstürzende Wasser. Hier gibt es unser Picknick und jede Menge Libellen. Die steilen Begrenzungen des Flusses sind mit dichtem Wald bestanden, wohl weil der Wasserfall ständig ein besonderes Klima schafft. Wir klettern zuerst einen Pfad noch höher hinauf und staunen über schöne rosarot blühende Büsche (?), dann geht es an Andenkentischen mit Kaolin-Schnitzereien wieder nach unten. Diese weißlich-cremefarbigen Steinfiguren, Kugeln, oder einfach nur geschliffenen Quader sehen mit ihren rosa oder graublauen Bändern sehr schön aus. Sie sind sehr schwer und wirken in der Hand immer kühl.
Nun gibt es den dringend notwendigen Fotostop vor den östlichen Tepuis, die gewaltig aus der welligen Ebene herausragen: Tramen, Ilu, Karaurin, Wadakapiapue, Yuruani und die ganz großen Tepuis Kukenam und Roraima! Großartig ! Die Steilwände sind wohl an einigen Stellen höher als 1200 Meter:
Wir gehen zu Fuß über die Brücke des Yuruani-Flusses, erfreuen uns an den Palmenseglern und nehmen bald vor den Puri-Puri-Fliegen reißaus!! Ganz weit über dem Tal fliegt ein Fork-tailed Flycatcher. Wir sehen ihn nur als Silhuette über den Felsen. Wulf fotografiert diese rosaroten Blütenbüsche, die wie Azaleen leuchten. Vielleicht gelingt die Bestimmung (?).
Nun ändert sich die Landschaft: Wir blicken von der Straße in weite hellgrüne Täler mit mäandernden Bächen hinunter, deren Ränder von Moriche-Palmen gesäumt werden. Auch ganze Flächen werden von dieser nützlichen Palmenart wie ein lockerer Wald bestanden. Jetzt geht es von einem Aussichtsplatz in einem weiten Bogen in das Tal des Uiaren hinunter: dreispurige gerade neu ausgebaute Landstraße. Im Westen erheben sich die Berge des Chimanta-Massivs im nachmittaglichen Sonnenglast. Hier oben ist der Boden auf über 33,5°C aufgeheizt. Kurz vor 4 Uhr ruft Joe in der Posada an und läßt sich den Weg beschreiben. Dann bestätigt die Hubschrauber-Firma den Flug für morgen früh. Das Wetter ist in Ordnung! Wir laden nur ganz kurz unser Gepäck aus, beziehen die Zimmer und beobachten bis zum Dunkelwerden auf der Straße nördlich der brasilianischen Grenze in Richtung Westen. Ganz schnell geht die Sonne leider etwas zu früh unter, so daß wir hier am Fluß nicht mehr genug sehen können.
Auch hier ist es wieder eine Unterkunft, die von einem Deutschen aufgebaut wurde und ge-leitet wird. Sven (?) sorgt beim Abendessen für unser Wohlergehen: Joe ist in die Stadt gefahren, um Geschäftliches zu klären. Wir sind auf den morgigen Tag sehr gespannt!
Sonnabend, 21. November 2009
Santa Elena de Uairen, beinahe schon in Brasilien!Um 5 Uhr 15 finden wir heißen Tee und Kaffee, dann geht es gleich zum Hubschrauber-Flugplatz. Eine Stunde später geht es nach dem Auftanken gleich los. Der große Hund kommt nicht mit; er trollt sich zur Seite. Joe sitzt vorne neben dem Piloten. Er freut sich genauso wie wir, als es über die Moriche-Täler und bewachsene oder ganz kahle Baumhügel zum Roraima-Tepui geht. Von oben sind die Hügelkonturen, Erosionsrinnen, „Hügelhaufen auf großen Flächen“ (Ameisenbauten?) großartig zu erkennen. Der Lärm des Motors und der Rotorblätter ist hier drinnen in der Kabine erträglich. Gert hat die Kopfhörer aufgesetzt, die uns mit Joe und dem Kapitän Raul verbinden. Als Notiz schreibe ich auf: auch dies unter uns ist altes Gondwana-Land.
Hinter dem Roraima steht eine dichte grau-schwarze Wolkenbank. Sie wälzt sich zwischen Roraima und Kukenam hindurch; hoffentlich bleibt uns genug Zeit zum Beobachten! Zuerst fliegen wir an den gewaltigen Felsformationen entlang: Roraima, dann Kukenam: Stufen, Nischen, Rinnsale mit Wasser, die senkrechten, riesigen Wände. Dort unten ist der Wanderweg zum Roraima zu erkennen, dort steht ein Haus, dann verschwindet der Pfad in einer Schlucht. Menschenleere Landschaft? Dort stehen Zelte, wir entdecken drei „Figuren“! Jetzt fliegen wir über den Roraima hinweg, blicken auf die zerklüftete Oberfläche. Dann rast der Hubschrauber über die senkrecht nach unten abfallende Südkante – wir wenden, und wenig später landen wir auf der Oberfläche dieses großartigen Berges! Fünfundzwanzig Minuten haben wir Zeit, alle diese seltsamen Pflanzen zu betrachten, „alles“ zu fotografieren, uns gegenseitig auf seltsamste Blüten, Gräser, Bäumchen, Wasserlöcher, Steinformationen, weiße Sandablagerungen aufmerksam zu machen. Raul hilft uns dabei. Immer hat er jeden von uns im Blick, paßt auf, daß niemand verlorengeht. Gleichzeitig beobachtet er ständig die Bewegungen der dicken Wolken, die am Rande des Plateaus hin und her wogen. Wir können uns nicht satt sehen an den bultenförmigen Pflanzengesellschaften, die wir bei Uwe George in seinem Buch so sehr bewundert haben: Orchideen, Sonnentau, die großen Stegolepis, Cyrilla, Ledothamnus, die Rubiaceae Maguireothamnus, Orectanthe, die kleinen Knöpfe der Paepalanthus. Dann in einer Felsnische Bäume: Schefflera. Hier würde ich gern einmal mit Botanikern an einer Expedition teilnehmen! Jetzt ist Gert verschwunden! Denken wir und suchen und rufen: Joe ist ganz aufgeregt, nur Raul hat jeden im Blick und lädt uns zum Weiterflug in seinen Hubschrauber ein.
Es geht senkrecht in die Luft und dann in großen Schleifen zum Kukenam. Hier ist die Oberfläche so mit „Hoodoes“ bedeckt, daß wir zuerst gar keinen Platz zum Landen ausma-chen können. Raul setzt die Maschine zentimetergenau auf ihren Platz. Wir bewundern die stark erodierten „Elefanten“, Riesen und Zwerge, lauter pittoreske Steinbögen, die die Fanta-sie beflügeln. Auch hier oben steht in jeder Felswanne und Rinne Wasser, das diesen seltsamen Pflanzen Lebensraum bietet: Heliamphora nutans(?), Connellia, und wieder Son-nentau und Orchideen. Ähnliche Polstergemeinschaften wie auf dem Roraima lassen uns begeistert versuchen, so viel wie möglich in uns aufzunehmen. Dazu kommen auch Bilder von Gert, Wolfgang, Wulf und Eva in dieser skurrilen Landschaft.
Die Wolkenwalzen quellen an den Steilwänden empor, schwappen über und zwingen uns, zurück zu fliegen. Raul gleitet an den Felsen entlang, zeigt uns Wasserfälle und Schluchten. Der „kleine“ Tepui mit seinen nur 2ooo m Höhe ist direkt unter uns. Oben auf dem Kukenam haben wir auch diese seltsamen Bonnetia-Wäldchen gesehen.
Jetzt geht es wieder nach Santa Elena zurück. Der Mäanderfluß unter uns ist die Grenze des großen Canaima Nationalparks. Wir überqueren die Straße und landen wieder auf dem kleinen Betonquadrat auf dem Flugplatz. Ein großes herzliches Dankeschön für diesen wunderbaren Ausflug an Raul!!
Jetzt geht das normale Leben ganz einfach weiter: Wir frühstücken ausgiebig in der Posada. Das Gepäck ist schnell verstaut. Wir starten zurück nach Las Claritas. Joe verabschiedet sich im Büro unserer Posada in der Stadt von einem guten Freund. Er wird den tapferen kranken Niko wohl nicht wieder sehen können……
38 km sind es bis zum Jaspis-Fluss. –In einer Senke entdecken wir Maguari-Störche und einen Silberreiher. Diese Brücke über den Rio Kukenam haben wir auch von oben gesehen. An einem Moriche-Sumpf müssen wir anhalten, dort fliegen Libellen: Anax (?), Auf dem Wasser Orthilia-ähnliche weiße Blütenplanzen, lila-rosa Utricularia, dreikantige Cyperaceae, später nach den Fotos zu bestimmen!
Zum Jaspis-Fluß führt ein Wanderweg hinunter. Dieser touristisch erschlossene Platz wird von den Pemon-Indianern „vermarktet“. Andenkenstände, Restauration, Demonstration von umweltfreundlichen Verhaltensweisen von Einwohnern und Besuchern. In einer Palmwedel-gedeckten Hütte zeigen uns Frauen die Technik von feinen Bastflechtarbeiten.
Die Ufer des Flusses sind mit dichtem Wald bewachsen. Wir waten über diesen roten Halbedelstein-Boden und bewundern den Wasserfall. Wulf und Gert finden neue Libellenarten, Joe und Wolfgang schauen zu. Irgendwer hat versucht, an der Steinkante des Ufers Brocken abzuschlagen. Splitter sind liegen geblieben. Der Rückweg führt außerhalb des Waldes steil aufwärts zurück zur Straße. Inzwischen ist es recht heiß geworden.
Wie auf der Hinfahrt halten wir an und blicken auf diese eindrucksvolle Kette der östlichen Tepuis. Jetzt schieben sich überall große weiße Haufenwolken an den Felstürmen empor und hinüber, hüllen sie ein und kommen über die Ebene hinter uns her. Am Salto Kama beim Pearl Kite schauen wir noch einmal auf den rauschenden Wasserfall und kaufen uns Kaolin-Kugeln. Unsere nordamerikanischen Freunde Greater Yellowlegs und White-rumped Sandpiper verbringen vielleicht den ganzen Winter an diesen Wasserlachen neben der Stra-ße: sie sind noch da. Joe tankt wieder für 70 Eurocent an der Tankstelle hier in der Gran Sa-bana. Um kurz nach 4 Uhr beobachten wir für einige Zeit in der Sierra de Lema beim KM 131,4. Die Sonne bescheint gerade noch die hohen Zweige am Platz neben der Stromlei-tung. Supergrün leuchtet der Bay-headed Tanager. Es wuseln herum: Tepui Greenlet, Bana-quit, Black-headed Tanager, Velvet-browed Brilliant, Brown Violettear. Weiter abwärts ist die Straße ganz naß, sie dampft. Broad-winged Hawk, Tropical Kingbird. Erst 25, dann 16 quirlige Golden-tufted Mountain Grackles. Jetzt müssen wir rennen, gleich schüttet es wie aus Eimern. Die Gewitterfronten haben uns eingeholt, überholt und rennen von allen Seiten gegen die Sierra de Lema. Joe kann auf der Straße kaum etwas sehen. Vier große, lange Lastkraftwagen aus Brasilien sind während unserer Beobachtungszeit an uns vorbeigefahren und jetzt kaum zu überholen.
Henry und seine Frau erwarten uns schon, so können wir gleich begeistert berichten. Heute sitzt Mathilda, die Vogelspinne, im Lampenlicht auf der weißen Wand des Bungalows.
Sonntag, 22. November 2009
Während des Frühstücks ruft eine Ferruginous Pygmy-Owl. Henry macht ihre Stimme nach. Am Haus und auf der Fahrt durch Las Claritas ist es dampfend neblig, etwas unter 25 ° C. Die ganze wunderschöne Vielfalt der Waldvögel läßt uns wieder an den schon bekannten Stellen anhalten und erneut exkursieren. Es kommen immer wieder neue Arten hinzu: Tepui Spinetail, Highland Hepatic Tanager, Blackpoll Warbler, Slate-throated Whitestart. Durch die Baumkronen rauscht ein starker Wind, die weißen Wolken werden gejagt. Das Rauschen wird übertönt von den melodischen vier Tönen unseres Flötisten. Diese Lianen mit Dornen sind Kletterpalmen. Zwei Amethyst Woodstar, dafür brauchen wir das Vogelbuch! Rufe vom Roraiman Antwren; dann sehen wir die weiße Kehle des Coraya Wrens ganz dicht vor uns, Joe hat ihn bis auf vier Meter herangelockt!
Auf 1300 m ergibt die GPS-Messung folgendes: N5° 54.555, W 61 ° 26.101.
Am „Alten Camp“ gibt es wieder Picknick mit Libellen (Aeschna = Rhionaeschna psilus, „Calopterix“ mit lila Schimmer auf den Flügeln = Iridictyon trebbaui, und dazu schöne Fotos beider Arten). Fisch, Gurken, Tomaten, Zwiebeln für mich, Lasagne für die vier Herren, dazu große blaue Pflaumen als Nachtisch. Vielen Dank! Zwischendurch ein Short-tailed Hawk, Chestnut-tipped Tanager, Brown Solitaire, Black-hooded Thrush, White-fronted Thrush und Tepui Brushfinch in einem Baum mit klitzekleinen orangefarbigen Beeren. Joe und Wolfgang sehen hier zwei Rose-colored Piha ohne uns!
In der Nähe der Polizei-Kontrollstelle führt auf der anderen Seite ein Trampelpfad durch sehr feuchtes Gelände abwärts zu einem Talrand. Wir winden uns durch meterhohe Bromelien, die Joe an seinen Freund, den Botaniker Frank Hase erinnern (Bromelia hasii). Hier fliegt eine Tepui White Thrush mit einem roten Kopf, auch die Rose-colored Pihas lassen sich sehen. Tolle Vegetation. Leider können wir hier nicht den Berghang hinuntersteigen, wir sind für solche querfeldein Touren nicht ausgerüstet: So landen wir in einem Bogen an dem schönen Drossel- und Kolibri-Platz, an dem wir schon vor 5 Tagen beobachtet haben. Jetzt Olive Manakin, Golden-olive Woodpecker und Lancebill (?). Sonne im Sumpf, leuchtende Farben: Farne, Bärlapp, Clusias, Melastomataceen-Büsche, Stegolepis, Paepalanthus, Utri-cularia, diese unbekannte kleine lila-gelbe Blüte, und immer wieder Orchideen!
Bei 111,5 KM sehen wir noch einmal Guianan Cock-of-the-rock, ein Weibchen und hören Männchen-Rufe, zwei große Red-and-green Macaws fliegen vorüber, ein Specht schreit, Klickerfrösche immerzu. Eine schöne Fächerplame mit breiten Fiedersegmenten. Joe lockt Streak-backed Antshrike. Dann geht es zurück nach Las Claritas. Wulf hat eigentlich keine Lust mehr zu einem Abstecher zum Platz vor dem Goldgräbercamp. So fahren wir an-schließend zügig zu Henry zurück. Zwei Black Nighthawks sitzen auf der Piste und flüchten vor dem Scheinwerferlicht.
Montag, 23. November 2009.
Wulf hat es im Hals und auf der Brust. So bleiben wir nach dem Frühstück um 5 Uhr 10 hier bei Henry im Garten. Nun werden Gert, Wolfgang und Joe nur noch neue Vogelarten an den bekannten Beobachtungsplätzen sehen!
Heute Nacht um ein Uhr haben die Brüllaffen lange und kräftig gesungen. Jetzt regnet es, aber nicht lange. Wir wandern im Garten herum und versuchen, alle Bäume und Büsche zu bestimmen, alle Vögel selbstverständlich auch! Es sind wohl acht Kolibri-Arten, es gelingen wunderschöne Bilder. Vorhin und auch schon nachts: pop,pop,pop,pop: Henry hat die Spec-tacled Owl auch gehört!
Plumeria alba, Jacaranda spec, Codiaea, hohe Orchis-Stauden, Hibiscus schizopetala, „Schwertfarn“, Papaya, Orangen, Palmfarn, Hibiscus rosa-sinensis.
In einem Stall finde ich ein sehr großes weißes Kaninchen. Daneben in einer etwas älteren Fischzucht-Anlage schwimmen winzige Fischlein unter Salvinia-Blättern. Auf einem Komposthaufen entdecke ich Commelina –Pflanzen und eine einjährige Ranke mit „Sesam-blüten“. Dieses tropische Rasengras kenne ich schon aus Florida und aus Scotts Garten in Texas. Am Waldrand sind Palmengruppen: Euterpe? gelbgrüner oberer Schaft, grauer Stamm; Henry gibt mir später die Bestätigung: Manaka-Palme –Euterpe oleracea.
Inzwischen fliegen Libellen, und Wulf exkursiert am Bach zum Wald hin: erfolgreich, besonders die Northern Waterthrush ist sehr schön.
Zwischendurch vertiefe ich mich in die Bücher aus Henrys Bibliothek und notiere Gran Saba-na-Büsche: Curatella americana, Byrsonima crassifolia, Byrsonima verbascifolia,
Bowdichia virgilioides, Paliourea rigida.
Auf dem nächsten Teil des Rundgangs finde ich eine rotblühende Flamingo-Blume, ein Bunt-blatt mit feuerroten Blüten, Artocarpus altilis, verschiedene Citrus-Früchte, hängende Heliconien, Euphorbia pulcherrima, eine interessante Zingiberaceae und einen „Birnen“-Baum: Poma laca—Syzygium malaccense: diese Pomagas schmecken ganz gut!
Ich finde hier diese rot-grünen Blätter von Rhoeo spathacea, die auch bei Levi im Garten standen, vorsichtig, giftig! Dieses Buntblatt könnte Caladium bicolor sein?
Jetzt stehen wir am Haus: Green-tailed Jacamar fängt einen grauen Schmetterling; die Kolibris wirbeln: Rufous-breasted Hermit, Versicolored Emerald, Black-throated Mango und immer wieder Crimson Topaz, tanzend zu zweit vor der weißen Wand unseres Bungalows!
Grey Hawk, 4 Golden-winged Parakeets, Grey-crowned Flatbill (toll).
Um 11 Uhr 20 kommen Joe, Gert und Wolfgang zurück, zufrieden mit den neuen Vogelarten vom Exkursions- Platz bei KM 110-111.5. Nach fast zwei Stunden haben wir endlich Zeit zu einem großartigen Mittagessen: Henry und seine Frau haben geduldig auf uns gewartet!
Den ganzen Nachmittag haben wir Zeit, unsere Beobachtungen auszutauschen, zu lesen und uns auf die morgige lange Tour vorzubereiten. Joe will so weit wie möglich kommen, da er vorhat, übermorgen am Nachmittag noch mit uns in Altamira zu beobachten.
Jetzt tobt hier um 15 Uhr ein ganz starkes Gewitter. Krachend bricht am Waldrand zum Garten ein großer Baum zusammen.
Das Licht ist wieder „angegangen“. Wir haben alles gepackt, morgen geht es sehr früh los.
Dienstag, 24. November 2009
Abschied von Henry und seiner Frau. Vielen Dank für die großartige Betreuung!
Abfahrtwetter: Nieselregen, Sturmschäden von gestern Nachmittag auf der Straße!
Die Sitzverteilung im Auto wird wechseln. Wulf, Wolfgang oder Gert auf dem Beifahrersitz. Ich bleibe in der Mitte hinten. Joe behält seinen Sitz, er darf als Einziger fahren.
5.40 Uhr ab Las Claritas – El Dorado – Rio Kuguni – Tumoremo – Callao – Guasipati – Abfahrt zur Sierra de Imataca, diese Strecke kennen wir von der Hinfahrt.
9.20 Uhr schon in UPATA zum Tanken, nach wenigen Minuten sind wir schon in Ciudad Guiana (die Doppelstadt San Felix – Puerto Ordaz), und um 10 Uhr auf der Brücke über den Caroni – schwarzes Wasser – und Puerto Angostura Brücke über den Orinoco – weißes Wasser.
Tanken in El Tigri.
Irgendwo Essenspause an einem überdimensionalen Christus-Denkmal (mit sehr neuer Parkanlage, angedeuteten Straßen, nur hergerichtet für die einmalige Vorbeifahrt des Präsidenten Chavez).
Nach 12 Stunden Fahrt, 930 km quer durch Venezuela mit 14 Polizeikontrollen, findet Joe in El Sombrero ein Hotel: Brasilia in der Altstadt, wo wir alle ein Bett finden, vorher zum Essen gehen, und alle gut schlafen.
Mittwoch, 25.November 2009
5.30 Uhr – schnell einpacken. Joe hat bezahlt. An der Plaza frühstücken wir vor einem netten Schnellrestaurant, mit ständigem Blickkontakt auf unser gepacktes Auto.
Die Fahrt geht Richtung San Carlos, vorher in Tinaco tanken – Ampeln und Stadtverkehr. Lange Zeit fährt vor uns ein Auto mit Werbeaufschriften der Chavez Partei.
Am Straßenrand kauft Gert eine bauchige Honigflasche für Wulf, damit die Erkältung ganz schnell verschwindet.
Dann geht es in die Berge: Autobahn – Arigua – Barinas – Essen an der Canyon Kante: Hier waren wir schon einmal vor 3 Jahren? ja, ganz in der Nähe haben wir damals gegessen.
In Altamira werden wir in Joes Posada sehr freundlich von Alesandras Vater begrüßt. Hier ist es sehr schön! Nach kurzer Einräumzeit geht es gleich in das Gebiet oberhalb des Steinbruchs: Der Andean Cock of the Rock wartet auf uns! und viele weitere kleine Kostbarkeiten. Die Wolken quellen in dicken Haufen über die Berge. Wir sind erst im Dunkeln zurück. Ausgezeichnetes Essen in gemütlicher Atmosphäre in der Posada.
Eigentlich sollte die Liste heute ganz schnell geschrieben werden, aber immer wieder gibt es nette Diskussionsgründe.
Ich finde schöne Bildbände, nach denen ich etliche Büsche und Blumen bestimmen kann: Vielleicht wird es ja auch eine Liste!
Die Vogelartenfahrtliste – quer durchs Land – könnte ich ja auch aufschreiben?
Donnerstag, 26.November 2009
Hier steht unsere Zimmerpflanze im Garten: „Geldbaum“ = Crassula argentea.
Wir beobachten bei Altamira in der Nähe einer Kaffee – Fabrik. Ein Weg führt durch einen Wald sachte den Hang hinauf zu Weideland mit Kühen. Joe ist ganz entsetzt über neue Stacheldrahtzäune und abgeschlagene Bäume: Ist das Manakin-Leck verschwunden? Mitten im Wald stehen junge Kaffeesträucher!
Dennoch: Diese Exkursionsliste sollte ich wirklich einmal abschreiben. Für uns ist die Fülle der Arten und Individuen fast überwältigend! Es ist bewölkt und etwas schwül. In der Ferne leuchten aus den bewaldeten Hängen gelbblühende Tabubeia chrysantha, tolle Gräser säumen die Zaunränder neben der Wegspur. Wieder folgt eine Vogelorgie der vorherigen, die nächste wartet weiter oben auf uns. Schweren Herzens entschließen wir uns für den Rückweg. – Weit entfernt entdecken wir einen Mann auf der Terrasse seines Hauses – er trinkt wohl gerade Kaffee, der Blick durch das Fernrohr erlaubt diese Aussage.
Wir verlassen Altamira und fahren zur Hauptstraße, an der wir wieder auf einem „Balkon“ über der Schlucht in einem „Rindfleisch-Lokal“ essen. Unter uns rauscht der Fluß.
Anschließend gehen wir ein zweites Mal vom Steinbruch in das uns nun schon gut bekannte Tal. Dort ist es wieder sehr interessant:
Erst lacht die Sonne, dann wogen wieder viele Wolken im Tal unter uns hin und her. Dusky-capped Flycatcher, Golden-crowned Flycatcher, Whiskered Wren. An einer dunklen mit Pflanzen behangenen Mooswand entdecken wir eine tolle Libelle mit schwarz-weißen Flügeln. Die muß wohl in die Familie der Calopterygidae gehören. Wulf macht Aufnahmen in diesem sehr diffusen und recht dunklen Licht – Digi macht es möglich – mit ISO 2500. Die Aufnahmen gelingen aus etwa 12 m Entfernung so gut, daß die Vergrößerungen später die Artdiagnose durch Dennis Paulson erlauben: Euthore fasciata. Natürlich erfassen wir auch diesen Ort genau mit GPS-Daten.
Hier stehen Altocarpus altilis-Bäume und Begonien am Hang.
Joe lockt mit seinem Tonbandgerät:
1. Immaculate Antbird mit Erfolg, ein schwarzer Vogel mit blauer Hautpartie um die Augen und wenig Weiß an der Schulter.
2. Grey-breasted Woodwren, den wir nun schon so oft auf unseren Südamerika-Reisen mit so vielen verschiedenen Gesangsformen (unser Guide Lellis hat damals in Ecuador von 6 verschiedenen Strophen gesprochen!) gehört, aber nie gesehen haben, erscheint nun auch sofort nach der Klangattrappe, na endlich!!
Hier sind Soldaten-Ameisen auf unserem breiten Weg.
3. Wir hören Rufe des Cocoa-Woodcreepers.
Black-headed Thrush, Bay-headed und Silver-beaked Tanager sind weitere interessante Vogelarten.
Diese Waldformation gehört auch zum Nebelwald.
American Redstart, Slate-throated Whitestart, Orange-bellied Euphonia (sehr schön!), Speckled Tanager, Speckled Hummingbird.
Aus dem Tal unter uns ertönen seltsame Rufe, die Joe mit seinem Richtmikrofon sehr schön einfängt, die Lockversuche bringen kein Ergebnis, Joe kennt diese Rufe bisher nicht!!
Kletterfarne, Bomarea und eine „Alstroemeriacea“ begleiten uns am Hang neben dem Weg.
Wie schön, wieder Andean Cock-of-the-Rock, mindestens 4!
Joe „verleitet“ Gert zum Abstieg ins Tal zum Leck der prächtigen Vögel. Sehr begeistert kehren sie schwer atmend (besonders natürlich Gert, was Wunder bei dem Altersunter-schied!!) und schweißnaß zu uns zurück. Schöne Bilder von diesem Platz belegen die Anstrengung der Beiden.
Die Russet-backed Oropendula „singt“.
Wieder lockt Joe mit Erfolg: Rusty-breasted Antpitta.
Wir – natürlich Joe – haben recht oft Tonaufnahmen „vor Ort“ von Stimmen gemacht, wieder abgespielt und damit den Sänger oder Rufer zum Auftauchen verleitet. Sehr oft hat Joe aus der Sammlung seiner ausgezeichneten Stimmenaufnahmen – aus den letzten 3 !!!! Jahren und seiner inzwischen unglaublich guten Kenntnis dieser Stimmen, so manche schwer zu sehende Vogelart in unseren Sichtbereich gelockt. Wir glauben, daß diese nicht „zeitlich überzogene“ Lockweise den einzelnen Vögeln nicht geschadet hat. Ohne dieses Locken sind die Nachweise häufig kaum möglich (für die „Orni-Touristen“ so gut wie unmöglich).
Über uns scheint nun inzwischen eine liegende Mondsichel.
Wir fahren zurück zum Eingang des Steinbruchs. Niemand hat an uns gedacht. Alle Arbeiter sind weggefahren. Das Tor ist abgeschlossen!
Joe fängt mordsmäßig an zu hupen. Schließlich sehen wir weiter unterhalb am Haus einen Mann los“rennen“. Völlig außer Atem kommt er bei uns an, hat er sich entschuldigt? ein Trinkgeld bekommt er nicht, sonst machen sie das wohl immer so… wir müssen hier jedenfalls nicht übernachten! wäre bei mehr Zeit wohl sehr interessant!
In Joes Posada in Altamira werden wir schon zum Abendessen erwartet!
Natürlich schreiben wir nach dem vorzüglichen Essen unsere Listen, genießen einige gute Biere.
Morgen werden wir mit kleinem Gepäck zur Hato el Cedral fahren. (Wir haben diese Fahrt-routenänderung kurz vor unserem Abflug in Deutschland angedeutet. Vor wenigen Tagen hat Joe dann umorganisiert. Danke, dieser kurze Abstecher war ein großer Erfolg.)
Freitag, 27.11.2009 Altamira nach Hato el Cedral.
Kurz vor 7 Uhr geht es los! Vorher entdeckt Wulf noch schnell eine Lousiana Waterthrush im Garten.
Während der Fahrt zur Hauptstraße erklärt uns Joe die Bedeutung der Chavez-Universitäten, die im ganzen Land aufgebaut worden sind……
In Barinas regnet es. Probleme der „Landnahme“, Häuser bauen, – Eigentumstatsachen schaffen – wie lange kann man das machen?
An der Straße begleiten uns Zuckerrohrfelder – angepflanzte Teakbäume – Große Saman-Bäume stehen auf den endlosen Weiden.
Thornbirdnester hängen herab. Oriol-Blackbirds in großen Scharen. Zebu-Rinderherden.
In Dolores gibt es Eis zu kaufen, Wolfgang findet Zigaretten und einen „guten“ Schluck.
Jetzt zählen wir Kuhreiher, Limpkin, Black and Turkey Vultures.
In Puerto de Nutrias muß Joe tanken – er kauft auch Lebkuchen zur Verpflegung.
Wir überqueren den Apure Fluß (der zum Orinoko fließt) und erreichen schon um 15 Minuten vor 11 Uhr den Eingang der Großfarm Hato el Cedral.
Jetzt haben wir heute bis zum Dunkelwerden und morgen bis etwa 13.45 Uhr Zeit, die große Vielfalt dieser an Arten so besonders reichen Landschaft in uns hineinzusaugen!
Erst einmal beobachten wir sehr schön lange auf dem Weg bis zum „Dorf (Village)“ Lodge-Gelände.
Rechts und links vom Weg steht viel mehr Wasser, als im Februar 2006. Die Vogelliste wird entsprechend lang.
Die Wasserhyazinthen blühen blau und weißlich, rosa leuchten die Blüten von Winden-gewächsen .
Es weht ziemlich stark und die Sonne steigert sich bis zum Nachmittag auf 36°C (wirklich!!) im Schatten!
Immer wieder suchen wir den Schatten auf, aber es gibt so viel zu sehen. Hier ist nun einmal eine der wenigen Artenlisten im Tagebuch, die die tollen Beobachtungen dokumentieren soll:
Tropical Mockingbird (TMB); Neotropical Cormorant; Cocoy Heron; Woodstork; Jacana; Whistling Heron schon hier, 2006 hatten wir ihn nur an einer Stelle; Grey Kingbird, Little Blue Heron; Streated Heron; eine Sunbittern läuft und fliegt rechts neben uns an einem fast ausgetrockneten Graben, wunderschön die Oberflügeldecken; White Egret, Ringed Kingfisher, Amazon Kingfisher, Red-capped Cardinal; Orinoco Goose; White-faced Whistling Ducks; Pied Plover, Yellow-headed Caracara; Sharp-tailed Ibis; Lesser Yellowlegs, Glittering-throated Emerald; Great Black Hawk, Black-necked Stilt, Brazilian Teal, Scaled Dove, Leguane; Least Sandpiper, Solitary Sandpiper, Bar-faced Ibis, Yellow-backed Oriole; Eared Pigeon.
Wir erreichen wirklich rechtzeitig zum Mittagessen die uns gut bekannte Lodge. Sie nennen es hier das Dorf (Village). Hier haben wir 2006 Wendy und Bill aus Seattle kennen gelernt. Seit diesem 3 Tages-Zusammentreffen haben wir ständigen Kontakt. Bill starb vor 5 Monaten.
Nachmittags fahren wir mit Joes Auto den Dammweg nach Süden. An der ersten Brücke entdeckt Eva einen Schwimmfarn (Salvinia) im Wasser.
Tausende Libellen (10.000e) jagen über dem Damm und dem Wasser. Kleine und große Kaimane rutschen zur Seite, wenn wir an die Dammränder treten. Überall fressen, liegen und planschen Capibaras im Wasser.
Zum Unterschied unseres Besuches 2006 im Februar:
Da im November überall in den Llanos Wasserflächen vorhanden sind, finden wir heute weniger Reiher und Ibisse. Uns fehlen vor allem die Roten Ibisse. Aber der Anblick ist auch heute sehr eindrucksvoll!
Gull-billed Tern; Large-billed Tern; Fasciated Tiger-Heron; Black-bellied Whistling Ducks; Whistling Heron; Osprey; Jabiru.
Am Dammweg nach Westen ständig neue “Kleinvögel”:
White-bearded Flycatcher; Grey Kingbird; Fork-tailed Flycatcher; Safran Finch; Maguari; Pied Water Tyrant; Yellow-chinned Spinetail; Black Vultures; Red-breasted Blackbird.
Weit draußen auf der Wasserfläche entdecken wir einen Pied-billed Grebe.
Tscha, und so ganz „nebenbei“: Krokodile und Weißwedelhirsche.
Jetzt um 16.30 Uhr sind die 36°C immer noch Tatsache, vielleicht war es ja um 14 Uhr noch wärmer!! Später – beim Abendessen – wird sich dann die Bierliste entsprechend erhöhen! Gert, Wolfgang, Wulf.
Auf dem Hauptweg fahren wir dann nach Westen zu den Kanincheneulen, Trielen und Regenpfeifern. Aus den vielen schönen Beobachtungen ragt aber die des jungen Azure Gallinule besonders hervor. Diese Art ist eher scheu und eigentlich nie so frei zu sehen wie dieses immature Tier. Drei Alttiere sahen wir abfliegen, aber sie verschwanden so schnell, wie sie abgeflogen waren.
Über diesen Exkursionsabschnitt müßte eigentlich Gert berichten. Die Faszination des ersten Beobachtungstages 2006 auf diesem Dammabschnitt auch zur späten Nachmittagszeit mit Sonnenuntergang ist auch heute ohne Abstriche genau so begeisternd. Wie hat Gert diesen ersten Hato el Cedral Tag erlebt?
Die untergehende Sonne zaubert tolle Stimmungsbilder an den Westhimmel.
Abendessen im Dorf und natürlich die Biere……. Exkursionsbericht, Listen, und wir sind die letzten Gäste im Gemeinschaftsraum.
Sehr glücklich über den heutigen Tag, aber auch verständlich müde, sinken wir in unsere Betten. Toll, daß wir diese „nicht vorher geplante“ Landschaft in unsere bisher so großartige Fahrt eingeklinkt haben.
Sonnabend, 28. November 2009.
15 Minuten nach dem Hellwerden macht Wulf Bilder vom im Dorf brütenden Schreihals: Bar-faced Ibis. Außerdem gelingen Fotos von Ochre-lored Flatbill und Spot-breasted Woodpecker.
Nach dem Frühstück geht es mit dem Lodge – LKW, mit Sitzen auf der überdachten Ladefläche, los. Auf dem Airstrip fängt der Guide tatsächlich das Gürteltier, wie vor 3 Jahren.
Das arme Viech muß ja schon fast verrückt sein, wenn es dauernd zur Besichtigung gefangen wird!
Die ganze Palette der Hato el Cedral – Vögel fliegen, rennen oder schwimmen vor uns: Phantastisch! Joe hat für uns zusätzlich eine Bootstour organisiert! Ganz toll. Am Anleger hängen Nistkästen für White-winged Swallows und die Bewohner schön nah auf guter Fotodistanz.
Unser Bootsführer Victor hat Köder für die Piranhas mitgenommen. Sehr schnell haben wir 6 dieser mit messerscharfen Zähnen bewaffneten roten Fische gefangen. Wir nehmen sie mit, um unser Mittagessen zu ergänzen. Einige andere Fische sollen Köder für Greifvögel sein.
Bald begleiten uns Chimachima und ein Roadside Hawk in Erwartung von Victors Fütterung. Die Vorführung der Greife für Touristen ist erfolgreich.
Wir freuen uns über Ringed, Amazon und Green Kingfisher, Gull-billed und Large-billed Terns.
Dann geht es in die Kanäle des „Wasserwaldes“. Hoatzin-Gekrächze und die prachtvollen Vögel selbst im Geäst der Bäume. Gleich 2 Sunbittern erscheinen auf einem schlammigen Uferabschnitt, wo beide in eindrucksvollen Posen die Sonnenflecken aufsuchen. Lärmende Rufous-vented Chachalacas, Yellow-rumped Cacique leuchtet gelb im grünen Blattgewirr, über uns ein Fischadler.
Heute ist der Wasserstand hier zwischen den überhängenden Zweigen viel höher als bei unserem letzten Besuch. Wir fahren ohne Motor weiter hinein in das Dickicht. Dort hämmert ein Lineated Woodpecker eine Höhle. Affen begleiten uns. Victor weist uns auf 3 Kahnschnäbel hin, wie immer sind sie sehr schwer zu entdecken. Auch der Crane Hawk ist eine „besondere“ Art, ebenso wie der Amazonian Black Tyrant.
Haben wir wirklich einmal oder zweimal Zigzag-Heron gesehen? Nein nur Wolfgang und Joe meinen diese scheue Art vor dem Boot entdeckt zu haben. Wir erkennen ihre Beobachtung nach kurzem Zögern an!! Gönnen wir ihnen doch die uns noch unbekannte Art1
Little Blues, Whistling Heron, Jacana, Anhinga, Great White Egret, Striated Heron. Unglaublich ist diese Vogelfülle und die Individuenzahl, Tanager, Wrens, Greater Anis, sie alle rechtfertigen unseren Ausflug mal so eben für zwei Tage von Altamira hinunter in die Llanos zu rasen und uns richtig darüber zu freuen. Wir freuen uns alle, Wolfgang, Gert, Wulf, Eva und Joe, der die Arbeit geleistet hat.
Zwei Giant Otter runden das Vergnügen ab! Victor bringt uns zurück zum Anleger! Vielen Dank!
Wir gehen in der Mittagshitze zu Fuß zum „Dorf“. Unter den wenigen Schatten spendenden Bäumen bleiben wir stehen und beobachten. Richtig heiß ist es heute. Es ist schon kurz vor 12 Uhr. Natürlich bleiben wir zum Mittagessen hier.
Jetzt freuen wir uns auf den Fisch – Piranhas! Auch die Nachbargruppe bekommt diesen schmackhaften Fisch. Wulf löst einen Unterkiefer mit den nadelspitzen Zähnen aus dem Kopf. Fein säuberlich präpariert, wird er dann in Hamburg an dieses Zusammentreffen erinnern.
Die Umwälzpumpe im Swimmingpool ist wieder in Betrieb. Schon schwimmt Eva im erfrischenden Naß.
Nach dem Essen verlassen wir diesen gastfreundlichen Platz. Bis zum Gate sind es etwa 5 km. An mehreren Stellen halten wir. Ganz zum Schluß fast vorm Eingang sehen wir die lange herbeigesehnten Scarlet Ibisse. Toll!
Was ich vergessen habe aufzuschreiben, findet sich in der ausführlichen Liste dieser beiden „Vogeltage“.
Joe fährt uns sicher nach Altamira zurück.
Die milchige Sonne über den Bergen verspricht uns dort oben ganz andere tolle Beobachtungen.
Sonntag, 29. November 2009
Die ganze Nacht über wurde bis morgens um 4 Uhr auf der Plaza gefeiert. Wolfgang, Wulf und ich haben unsere Zimmer weit hinten im Garten, daher haben wir den „Lärm“ nur als ferne Einschlafmusik empfunden. Gert dagegen hat mit seinem Hauptplatzfenster die ganze Nacht keine Ruhe finden können. So kommt er nicht mit auf die Frühexkursion, leider ein kleines Mißverständnis.
Um 6 Uhr erhalten wir ein reichhaltiges Frühstück.
Dann geht es wieder zur Kaffeefabrik und in den immer noch schönen Wald bis zum Fluß hinunter. Hände waschen, Farne und Blütenpflanzen angucken. Da hängen Blütenfähnchen in der Farbe von Wulfs Hemd.
Joe lockt mit dem Tonband: Dusky Antbird reagiert auf die Stimme des White-bellied Antbirds, sehr schön zu sehen, dann auch White-browed Antbird und Stripe-backed Wren. Besonderes: Rufe vom Little Tinamou, White-vented Plumeleteer am Nest, Cocoa Woodcreeper, Buff-throated Woodcreeper.
Vielleicht schreibe ich die Liste von diesem schönen Gelände doch hier noch auf: …..
Heute Morgen im Wald: Aphelandra compressa (?) Acanthaceae.
Um 9 Uhr sind wir wieder am Auto. In der Posada laden wir das Gepäck ein, nur die Wäsche nicht in der Trockenkammer vergessen! Das nasse Badezeug und die gewaschenen Schlaf-anzüge. Heute Abend in Tabay nicht vergessen: Die noch feuchte Wäsche zum Trocknen aufhängen!
Großen Dank an die Köchin und an Joes Schwiegervater für die liebevolle Betreuung. Auf Wiedersehen.
Es geht aufwärts. Leicht bedeckter Himmel und windig. Halt am Fluß. Von der Brücke aus sehen wir 2 Torrent Ducks – wie vor 3 Jahren. Rufous-collared Sparrow, Torrent Tyrannulet, Spotted Sandpiper, Mountain Elaenia, Blue-and-white Swallow: Sehr erfolgreich, obwohl ich nicht gerne über diese Brücke zu Fuß gehe!
Von unten fegt jetzt ein kühler Wind das Tal hinauf.
Santo Domingo auf 2.500 m Höhe wachsen Kiefern, sind es angepflanzte Forstbäume oder gibt es hier ein ursprüngliches Vorkommen? Wir sehen weiß-blaue Lupinen, Wacholder und weiter oben auf 2.700 m Höhe dann Chusquea-Bambus. Jetzt kommen Glossy und Masked Flowerpiercer, Blue-backed Conebill, Merida Tapaculo, Great Thrush und Brush-Tyrant.
Die Berghänge sind mit Büschen überzogen.
Essen gibt es im Refugio Mucubaji, bevor wir etwas abwärts zur Lagune zum Beobachten fahren.
Wir sind gerade am Kloster und Hotel Los Frailes vorbeigekommen. Dort hat es uns vor 3 Jahren sehr gefallen, obwohl es nachts recht kalt war.
Vor uns der Pico de Lavaillant, der Pass hier ist etwa 3.550 m hoch.
Die Telefonverbindung nach Deutschland ist ausgezeichnet. Ich unterhalte mich längere Zeit mit unserem Sohn Hans-Jürgen. Es geht ihnen allen gut.
Wir „laufen“ vom Parkplatz zur Mucubaji – Lagune hinunter. Trotz der vielen Sonntagsausflügler entdecken wir Spotted Sandpiper, Southern Lapwing und Andean Teal.
Mich interessieren vor allem die blühenden Polylepis – Bäume: Rosaceen (vielleicht eng verwandt mit Teneriffa – Marcetella?). Wulf kommt auch und macht Fotos.
Obwohl diese Lagune mit den hohen Bergen darüber großartig anzuschauen ist, verschwinden wir ganz schnell wieder aus diesem „Rummel“.
Dann geht es empor zum Paso Pico El Aguila 4.200 m Höhe.
PARAMO.
Traumlandschaft mit Espeletien, gelben und rosafarbenen Greiskräutern (Senecio), rot-gelbe Castileja ficifolia, rosa – lila Gentianaceae. Bar-faced Cinclodes, Bearded Helmetcrest.
Wir kommen hier oben hoffentlich noch einmal hin.
Jetzt geht es Richtung Tabay.
Bei Mucuchies wächst europäischer Gefleckter Schierling. Mucuruba 2.276 m (Ort des Wassers) Opuntico f.i.(?) An den Leitungsdrähten Usnea usneoides ? Rhizinus im Straßen-graben. Um 18.30 Uhr begrüßt uns Kai in Joes Posada in Tabay. Wie schön, daß wir hierher kommen konnten!
Joe fährt mit uns in den Ort zum Essen. Immer gibt es natürlich Salat und ein bißchen Fleisch für mich.
Montag, 30. November 2009
6 Uhr, 14°C, sehr schönes Frühstück mit Ei und Obst. Wasser läuft, Strom ist da, vielleicht kommt gleich die Sonne. Wenn sie nicht kommt, denken wir an unseren ersten Südamerika
Orniguide Lellies Lavarethe in Ecuador, der dann immer sagte: no clouds, no birds.
Überall an den Leitungen hängen Bärte, auch an den Zweigen der Bäume.
Es geht in den Nationalpark Sierra Nevada – auf den anderen Teil des Humboldt-Trails.
La Mucuy. Wir starten diesmal an einer anderen Stelle. Bäume begleiten uns aufwärts. Joe hat schon seine Mühe mit uns, da wir die Vogelstimmen, die er uns vor 3 Jahren vorgeführt hat, nicht behalten haben. Es ist aber wieder ein wunderschönes Erlebnis, diesen Bergweg aufwärts zu gehen und ständig neue Stimmen zu hören. Wie gut, daß Joe uns alle Namen verrät und wir eine reichliche Anzahl notieren können. Da klingelt doch ein Wecker, nein es ist ein Insektenruf.
Dazu Sanicula europaea, Viola spec., Farne, Bambus-Lianen, verschiedene Bromeliacean.
Wir alle pusten – Joe hüpft den Berg hinauf!
Jetzt wandern die Sonnenstrahlen durch die Bäume den Hang hinauf.
„Diese hohen Bäume! wie furchtbar!“ Wolfgang. Viele sind höher als 45 m.
„Wunderbar diese Bäume, ich liebe sie!“ Joe.
„Ich liebe sie auch alle“ Eva.
Von allen wunderschönen Vögeln als Beispiele:
Merida Sunangel, Green-and-black Fruiteater, Wulf und Gert finden in den Zweigen Andean Guan. Wir stimmen mühevoll mit Wolfgang Standortbeschreibungen von Vögeln nach der Anwendung des Bildes eines Ziffernblattes ab: z.B. der Vogel sitzt auf „14 Uhr“. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.
Joe sieht allein Strong-billed Woodcreeper, es geht eben immer alles viel zu schnell, selbst dann wenn nichts los zu sein scheint. Plötzlich draußen – außerhalb des Waldes – am Himmel in der Sonne ein „Geierturm“.
Wir kommen selbstverständlich wieder nicht nach oben zum See, vielleicht hätten Gert und Joe laufen sollen. So kehren wir nach vielen schönen Beobachtungen um 14.30 Uhr um und sind nach 2 Stunden unten. Der Himmel ist nun wieder bedeckt.
Unten (am Parkplatz): Black Phoebe, Blue-spangled Tanager, Blue-capped Tanager, Brombeeren, Eucalyptus, Erigeron canadensis, Kiefern, Gekrächze vom Inka Jay.
Wir halten etwas unterhalb vom Park an einer Brücke über einen Gebirgsbach an.
2 White-capped Dipper, 2-3 Torrent Tyrannulets und dort hinten auf den Steinen 1 Männchen und ein Weibchen Torrent Ducks.
Sogar der Ranger ist erstaunt, als wir ihm unsere Beobachtungen mitteilen und die Vögel zeigen!
Heute essen wir fürstlich beim „Italiener“.
Joe kennt die Wirtin schon lange.
Der Strom fällt aus, ganz schnell wird der private Generator eingeschaltet und die Gäste dürfen weiter speisen.
Die Inhaberin zeigt uns ein nettes, neu erschienenes Hummingbirdbuch mit schönen Fotos und Zeichnungen.
Dienstag, 1.12.2009
Ab heute darf geknallt werden! Feuerwerkskörper also den ganzen Dezember hindurch: laut und stinkend. An vielen Stellen kann man Böller und Raketen kaufen.
6.30 Uhr 15°C, wir haben Jacken an beim Frühstück.
Der Kaffee ist immer schön heiß, das Wasser für Gerts und Wulfs Tee auch. Meistens sorgt Miriam für uns, sie kümmert sich auch um unsere schmutzige Wäsche. Vielen Dank! Heute ist Joe persönlich bei uns. Wie geht es eigentlich Kais Frau? Ist der Nachwuchs schon da?
Wir wollen liebend gern noch einmal in die Paramo-Region und die Stufe darunter mit dem „Elfenwald“.
Joe fährt mit uns zurück durch das tief eingeschnittene Rio-Chama-Tal (zwischen der Sierra Nevada und der westlichen Gebirgskette).
Maultierpfade führen zu kleinen Dörfern hoch oben an den Berghängen.
Es geht durch Exaguey, Mucuchias und San Isidro.
Überall blühen Rosen, Dahlien, Zinnien und Geranien. Pfefferbäume und Jacaranda säumen die Straße.
St. Isidro ist der Heilige der Bauern. Er bringt den Regen für die Kartoffelfelder.
Auf 2.900 m Höhe Kartoffelanbau, Artischocken, Hafer, Knoblauch und Mohrrüben.
Um 8.45 Uhr sind wir wieder in Mucubaji auf 3.600 m Höhe. Etwas weiter führt eine befestigte Piste von der Hauptstraße zu einem Bach hinunter. Gebüsche, Bäume, Weide- und Ackerflächen bilden ein vielschichtiges Beobachtungsgebiet. Wieder sehr ergiebig, wir können gar nicht genug bekommen.
Verbena, Rubus zum Essen, „Sommerflieder“, Passiflora rosea, Helichrysum, Dryopteris, Espeletia, Alchemilla, Geranium, Trifolium repens, Anthoxanthemum spec., Oxalis, Lobelia, „Papierblume“, Iris, Sonchus, Achillea, Aphanes, Veronica.
Die Brombeeren schmecken gut, es sind zwei verschiedene Arten. Hier steht Salvia coccinea, dann ein Natternzungenfarn. Alnus andina bildet einen Teil des „Elfen-Waldes“. Es gibt Ericaceen mit weißen Blüten, duftende Minzen, gelb blühende Pantoffelblumen (Calceolaria), knallrote Fuchsien, große Gänseblümchen, Löwenzahn, Wegerich und große Ampferstauden.
Hier finden wir Streak-throated Bush-Tyrant, Rufous-crowned Sparrow, Masked Flowerpiercer, White-throated Tyrannulet,.
Dann folgen Orange-throated Sunangel, Merida Flowerpiercer, Tyrian Metaltail und Great Thrush. Unten am Bach geht es über eine steinerne Brücke und aufwärts an einem Hang entlang. Auf dem Weg liegen Kartoffeln, die nach der Ernte vom Wagen gefallen sind. Die Äcker zeigen eine Hangneigung von etwa 60°!!
Neben der Betonpiste am Wasser: Apiaceae wie Astrantia, Mimulus gelb, Sedum spec., „Yellow eyed Gras“. Jetzt flattert ein kleiner „Distelfalter“ davon.
Wir hören Rufe vom Paramo-Wren, sehen White-throated Tyrannulet. Joe sieht zuerst alleine Lacrimose Mountain-Tanager, dann haben wir sie auch, super! (5)
Am Fluß Brown-backed Chat Tyrant, Bambus, Lotus spec.(wie Sumpf-Hornklee), 1 Andean Teal und 2 White-capped Dipper, deren Kugelnest wir unter der Brücke finden. Im Wasser entdecken wir zwischen den Steinen eine „braune“ Brunnenkresse. An den hohen Hängen neben dem Weg fallen uns sehr große Carex-Bulten auf.
Auf den Steinen des Wasserfalls und an der Brücke könnten wir noch lange verweilen…aber:
Es geht über die Betonpiste zurück zum Auto oben an der Hauptstraße.
Um 13 Uhr sind wir wieder ganz oben oberhalb des Aguila – Passes unterhalb der Sendetürme.
Unter Wolken ist es kühl, mit Sonnenschein sofort viel wärmer.
Fotos von dieser grandiosen Landschaft!!
Die wunderschöne Blütenpracht der tropischen Hochgebirge hat mich schon in den Bale Mountains in Äthiopien und in Ecuador am Cotopaxi und nördlich bei El Angel ganz besonders fasziniert.
Und nun die wenigen deshalb aber besonderen Vogelarten dieser kargen Region:
Plumbeous Sierra-Finch (5), Andean Tit Spinetail, Slaty Brush-Finch, Bearded Helmetcrest. Die Pflanzenzusammenstellung erfolgt nach Wulfs wunderschönen Fotos. Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen, wo wir hintreten dürfen, ohne etwas zu zerstören. Vielleicht können wir später noch einmal länger diese Region aufsuchen.
Es geht etwas abwärts in den Condor Nationalpark. Auf riesigen Blockhalden entdecken wir Bar-winged Cinclodes.
Auf den Begrenzungsmauern der Gehöfte wachsen gelb blühende Crassulaceen: Aeonium?. Mitten auf einem Acker auf einer großen Steinplatte wächst eine etwa 1 m hohe Hauswurz: Sempervirum (?).Hier auf 2.700 m Höhe werden auf kleinen Äckern Knoblauch und Kartoffeln angebaut.
„Übrigens: aus den Blättern der Espeletien wird Tee gegen Rheuma gekocht“, Weder Wolfgang noch Wulf und Gert, geschweige denn Joe reagieren. Sie kennen dieses Wort gar nicht, ich habe auch nur eine Ahnung davon.
In den Dörfern sehen wir Fackellilien, Aloes und Tulpenbäume.
Um 16.30 Uhr sitzen wir ganz entspannt bei Joe in Tabay im Garten, 1.700 m hoch, beobachten Vögel und gucken Bücher von Karl Weidmann an.
Rufous-tailed Hummingbird, Yellow-fronted Amazon, Northern Parula, Rufous-crowned Sparrow, mehr als 10 Blue-and-white Swallows, Mermelade Busch.
Von 18 bis 20 Uhr fällt wieder einmal der Strom aus. Einige Kerzen stehen auf dem Esstisch.
Bei Stirnlampen-Helligkeit gibt es heute:
½ gegrilltes Hähnchen, Tomaten und Gurken, in Bananenblätter eingewickelten Maiskuchen (die sind sehr fest), Becherchen mit Soßen und Salaten. Es schmeckt hervorragend.
Mittwoch, 2.12.2009 Tabay
6.30 Uhr 15°C Frühstück. Kai sagt, jetzt fängt die Trockenzeit an. Das Baby ist noch nicht da.
Im Garten: Rufous-tailed Hummingbird und Steely-vented Hummingbird, Southern House Wren und Chimachima.
7.42 Uhr ab Tabay: Auf Wiedersehen, danke schön!
Kurz vor Merida beginnt der wohl übliche Stau: Stop and go!
Wir botanisieren vom Auto aus: Canna und Hibiscus, Sobralia-Orchideen, Kalanchoe. Erythrina-Bäume mit Bärten.
Wir blicken auf die Stadt hinab, sie leuchtet im Sonnenlicht. Da drüben ist der Nationalpark La Cucullata. Joe zeigt uns den Pico el Toro (4.900 m) und den Pico Bolivar (5.007 m) mit einem kleinen Gletscher auf der Ostseite.
An einem Gebirgsbach gibt es eine kurze Pause. Black Phoebe und Inca Jays und Blue- and-white Swallows, 3 verschiedene Libellenarten (GPS 2.300 m hoch: N 8°35.790, W 71° 21.111).
Dann geht die Fahrt durch hügeliges Weideland, das teilweise von hohen Zäunen umgeben ist. Wir kommen an einem parkähnlichen Gelände mit einem Teich vorbei. Gleich 18 Bar-faced Ibis, 2 Southern Lapwing, 2 Great White Egret und Brown-chested Martin. Große Eucalyptus-Bäume umgeben dieses Gebiet. Große weiße „Calla“ Tüten sind wohl Zantedeschia (?). „Humboldt“-Weiden, Wasserpfeffer und Eisenkraut.
Um 11.15 erreichen wir die La Bravera Lodge.
Von der Straße führt eine mittlere Steigung zu einem schönen Anwesen: Blumen über Blumen, in Rabatten, in großen Töpfen und als Arrangements im Empfangsbereich. „Jorge“ hat sich nach einer Universitätslaufbahn hierher zurückgezogen, als seine Eltern ihm den Besitz übertragen haben.
Je 2 Doppelzimmer befinden sich in einem „Bungalow“. Riesengroße Betten mit dicksten Decken! Darauf liegen die Handtücher, die zu Figuren verschlungen und mit Blüten verziert sind. Wir bewohnen das Schwanenzimmer. Dusche und Toilette sind beinahe luxuriös eingerichtet. Die Begrüßung ist sehr herzlich!
Wir wollen gleich unten am Waldrand von der Straße aus exkursieren.
Viele Waldarten des Westens lockt Joe uns heraus. Azara Spinetail ist nur einer aus unserer Exkursionsliste.
Die hohen Cecropien faszinieren uns immer wieder mit ihren großen Blättern. Am Straßenrand stehen ganz „normale“ eingeschleppte Kräuter. Spitzwegerich, Binsen, Krauser Ampfer. Der Adlerfarn ist wohl auf mehreren Kontinenten heimisch.
Viele frische Ingwergewächse mit großen Blättern, lassen sich vielleicht später nach Fotos bestimmen.
Nun doch Vogelnamen: Common Bush-Tanager, Golden Tanager, Safran-crowned Tanager, Ruddy Pigeon ruft ausdauernd. Eine Chestnut-bellied Thrush versteckt sich hinter Heliconien. Wir entdecken einen Broad-winged Hawk, Slate-throated Whitestart und zwei Yellow-billed Tucanets folgen, dann Safron Finch und Greyish Saltator. Jetzt ziehen Wolken durch den Wald.
Wir fahren nach La Azulita zum Essen in ein Lokal, das direkt an der Plaza steht.
Es macht Spaß, hier oben aus dem ersten Stock die Leute auf dem Platz zu beobachten, vor allem die Schulkinder.
Leider gibt es die schönen Tonschüsseln, die ich vor 3 ½ Jahren hier gekauft habe, nicht mehr! Jetzt ist alles auf „Weihnachtsramsch“ herabgekommen. Ich bin die ganze Ladenstraße entlang gelaufen. Joe guckt dann auch noch an einer anderen Stelle, aber es ist nur Kitsch vorhanden (14 Uhr).
Zwischen den Kaffeeplantagen sind in den letzten Jahren neue Stacheldrahtzäune gezogen worden, was die Beobachtungsqualität doch ein wenig einschränkt. Wir müssen uns beeilen, es donnert, gleich kommt der Wolkenbruch. White-bearded Conebill (4), Crimson-backed Tanager, Crested Spinetail, Mourning Warbler, ja, der aus Nordamerika!, Tropical Pewee, Blue-grey Tanager, Red-crowned Woodpecker, Rusty – margined Flycatcher, Turkey Vulture und blühende Fleißige Lieschen. Nun ist der Regen da: Hier bleiben? – nach oben? – nach unten? Alles gleich, es regnet überall kräftig. Wir versuchen es immer wieder, wenn es gerade aufhört.
Black – mandibled Toucan, Magpie Tanager, White – rumped Hawk.
In einem lichten Moment können wir in der milchigen Ferne von hier oben den Maracaibo See entdecken.
Neben der Straße stehen Riesen-Adlerfarne.
Joe macht uns auf das „Knacken“ vom Emerald Toucanet aufmerksam, gleich 10 Beryll-spangled Tanager.
Um kurz vor 18 Uhr schauen wir uns im Garten der La Bravera Lodge um und zählen die Kolibri-Arten und Anzahlen an den zahlreichen Zuckerwasser-Trinkstellen.
Collared Inka, Buff-tailed Coronet, Mountain Velvetbreast, Orange-throated Hummingbird …..
Ich bekomme nach dem feinen Abendessen sogar einen hauseigenen Kräutertee. Hier auf 2.450 m Höhe kühlt es nachts sehr stark ab. Wir haben alle einen ganz feinen weichen Poncho im Zimmer gefunden, den wir wärmend um uns hüllen.
Sehr schnell ins Bett, obwohl die Vogelliste ganz schön lang ist.
Donnerstag, 3.12.2009
5.30 Uhr Frühstück, 6.19 Uhr geht es los bei 9°C!
Wolfgang berichtet über einen oder zwei Vögel, die er heute vor dem Frühstück bei sehr schlechtem Licht vor seinem Bungalow gesehen hat. „Und diese Art ist nicht in dem Buch drin! Der Vogel huschte über den Boden und sah so ähnlich aus wie unsere europäische Wasseramsel mit weißem Latz“. Wir lästern ein wenig, aber es nützt nichts, „das muß eine neue Vogelart sein“!
Joe fährt über Trachy, wo 2 Swallow – tailed Kites kurz zu sehen sind, auf die Autobahn, die von Merida nach El Vigia (neuer Flugplatz für Merida) führt. Joe macht uns darauf aufmerksam: Wir kommen gleich durch ein Trockengebiet mit Erosionsrinnen in einer Felswüste mit Opuntien und Dornsträuchern. Und schon staunen wir über diese Landschaft, die hier eigentlich so trocken nicht sein kann. Wenig weiter scheint es wieder ausreichend Regen zu geben, das Vegetationsbild ist wieder so, wie wir es hier schon kennen.
Nach 3 Stunden können wir in Puerto Concha am Maracaibo See in das Boot einsteigen. Joe hat alles gut gefunden, auch wenn sich Straßen und Orte in den letzten Jahren sehr verändert haben.
Das Motorboot fährt von Puerto Concha durch einen fast mit Wasserhyazinthen zu-gewachsenen Kanal. Rechts und links hängen blühende Thunbergia-Vorhänge von den Bäumen. Große schillernde Morpho-Falter begleiten uns. Red-Howler Monkeys und Capuchine Monkeys toben durch die Baumkronen. Snail Kite, Crested Caracara, Chimachima, Black-collared Hawk, Black-crowned Night-Heron, Scarlet Ibis (6), Great Black Hawk, 1 Bat Falcon, Fork-tailed Flycatcher – Nester von Crested Oropendolas, große Wasserfarne, “Wasserbananen-Heliconien”. Allein diese kurze Wasserstraße ist unglaublich!
Wir erreichen das offene Wasser dieses großen Binnensees, der im Norden eine Verbindung zum Meer hat.
An Fischerhütten auf Stelzen geht es vorbei quer über das silbergraublaue Wasser.
Wie hoch ist wohl die Höchstgeschwindigkeit dieses Motorbootes mit Heckmotor? 15 Knoten?
Jedenfalls haut der Boden des Kahns immer wieder auf die kurzen Wellen. Als Ergebnis tun mir die spitzen Knochen meines nicht gut gepolsterten Körpers entsetzlich weh! Also bekomme ich Rettungsringe als Kissen untergeschoben.
Kormorane, Brown Pelicans – 1 große Möwe! und auf schwimmenden Baumstämmen ruhende Seeschwalben, die anschließend zu großen Diskussionen Anlaß geben: schwarzschnäbelige und gelbschnäbelige Brandseeschwalben, Königsseeschwalben und einmal 1 Flußseeschwalbe (?). Jetzt führt die Fahrt bei wieder mäßiger Geschwindigkeit ins Flußsystem des Catatumbo – Nationalparks. Hier wohnen ganze Familien auf Flußbooten, die mit Hausbauten kombiniert sind. Kinder, Hunde, Hühner, Schweine, Ziegen, Kühe!
Wir zählen Fischadler (6), Great White Egret (55), Yellow-headed Blackbird, Red – breasted
Blackbird und Striated Heron.
Große gelb blühende Winden überziehen die Uferpflanzen, das sind sehr oft Heliconiengewächse.
Wir gelangen aus dem Flußgewirr wieder in offenes Wasser. Zwei Large-billed Terns zeigen uns den Weg zum Dorf Congo: Hier leben viele Menschen ständig auf dem Wasser. Es gibt sogar eine Kirche, die wir besichtigen. Joe unterhält sich mit vielen Leuten.
Wir staunen über dieses Leben hier: Strom aus Generatoren, Fernsehen über Satellitenschüsseln. Läden und Wohnhäuser. Das Haupteinkommen stammt aus dem Fischfang und der Verwertung von anderen Meerestieren. Klar freuen wir uns, daß wir nach vier Stunden eine Toilette mit Wasserspülung benutzen dürfen.
Es geht wieder durch das Mündungsdelta des Flusses zurück. Flächen mit Rohrkolben und hohen Bulten eines wunderschönen „Straußgrases“. Mehr als 300 Kuhreiher scheuchen wir auf. Nun sehen wir tatsächlich weiter weg einen Horned Screamer fliegen, leider nicht den Northern Screamer. Letzterer ist ja eigentlich die Wunschart dieser Fahrt. Aber er war es nicht, es war wirklich „nur“ der Horned! Aber diese kurze Beobachtung eines Screamers, soll es das heute gewesen sein?
Quer über einen Teil des Sees geht es auf dem Rückweg in eine andere Flußbucht. Hier entdeckt Joe zu unserer Freude gleich beide Screamer – Arten! 3 Northern Screamer sitzen in Bäumen, 2 Northern Screamer halten sich in der hohen Gras- und Buschvegetation auf. Sehr schön! Alle sind sehr zufrieden, auch der Bootsführer.
An den neuen auf Stelzen im See stehenden Nationalpark-Gebäuden tanken wir an der „Dieseltankstelle für Boote“. Dann geht es durch den Kanal wieder nach Puerto Concha. Wir bleiben beinahe in den Wasserhyazinthen stecken und können immer wieder staunen. 1 Laughing Falcon mit einer grünen Schlange, die Rufe vom Buff-breasted Wren, 1 King Vulture, die Turkey Vultures habe ich gar nicht erwähnt, auch die vielen Cocospalmen fehlen bisher in der Aufzählung.
Wir bedanken uns bei unserem Bootsführer recht herzlich für den tollen Ausflug.
Joe steuert uns dann sicher zurück zur La Bravera Lodge dort oben in den kühlen Bergen.
16.45 Uhr ab Puerto Concha (30-35°C). Joe telefoniert und meint dann, er sei nach dieser Tour erst einmal fix und fertig. Hoffentlich ist er auch mit den wunderschönen Beobach-tungen zufrieden. Ja!
Um 17.40 fahren wir am Flugplatz in El Vigia vorbei, hier erscheint es uns fast unerträglich heiß!
Um 19.05 Uhr erreichen wir unsere Lodge.
Jorge zelebriert im schönen kühlen Eßraum wieder ein feines Dinner mit 3 (4) Gängen. Für Wulf ist es etwas zu wenig Masse, aber das haben wir ja an mehreren Orten dieser Reise festgestellt.
Dann gibt es wieder Bier und Kräutertee zum obligaten Liste-Schreiben.
Joe ist mit seinen Gedanken schon bei Beobachtungen in Deutschland und fantasiert von Grau-, Tundra- und Waldsaat-, Bläß- und Kurzschnabelgänsen. (Ob er sie nun wohl alle gesehen hat? Anmerkung genau 1 Jahr später bei der Fertigstellung des Tagebuches!)
Jetzt fallen ihm aber die Augen zu, und schon verschwindet er in seinem Bungalow. Er hat uns heute 285 km hin und zurück gefahren. Und wir sind 12 ½ Stunden unterwegs gewesen.
Kein Wunder, daß auch wir kurz darauf in unsere Betten kriechen und von der aquatischen Lebensweise im Delta des Catatumbo träumen.
Freitag, 4.12.2009
Leider ist dieses der letzte Exkursionstag! Und was für einer! Um 5.37 Uhr stehen wir auf! Es geht gleich los! Vor Wolfgangs Bungalow huschen 2 „Wasseramseln“. Sie sind wenige Meter vor mir, aber es ist einfach zu dunkel, um sie richtig zu erkennen. Schnell hole ich meine Kamera, stelle sie auf ISO 5000 ein, nun wollen wir doch einmal sehen, ob man in dieser Finsternis auf diese Art Belegfotos machen kann. Man kann, doll ist das Ergebnis nicht, aber für Joe kein Problem, die Art anzusprechen. Es ist Chestnut-capped Brush-Finch, die Kopfplattenfarbe ist bei diesem Licht nicht zu erkennen, die Vögel huschen sehr flink etwas gebückt über den Boden, so sieht man nur die weiße Kehle, die durch ein schwarzes Brustband begrenzt wird. Den Bauch hat Wolfgang am Tag vorher nicht gesehen, also kam er zu dem Vergleich mit unserer Wasseramsel. Rätsel gelöst, diese Art sahen wir noch nie!
6.30 Uhr Frühstück, Im Zimmer 15,6°C, draußen 12,8°C und Wind!
Frühstück mit Hummingbirds und Flowerpiercern.
Um 8.25 Uhr sind wir unten auf der Straße. Der nächste Ort heißt San Eusebio.
Wir gehen auf der Straße abwärts, schauen und horchen in den Wald. Ein Andean Solitaire pfeift (tetelüt züüt), Tropical Mockingbird, Caribean Grackle, wieder der Broad-winged Hawk.
Heute scheint die Sonne, wenige Wolken ziehen vorüber. Ein „Wecker-Insekt“ veranlaßt Gert zu der Bemerkung, daß er bei seinem feinen Gehör niemals in eine Disco gehen darf!
Im nächsten Dorf stehen blühende große Tibouchina-Büsche, auch der Mermelade-Strauch (Streptosolen jamesonii) – wie in Joes Garten – und Pachystachys lutea mit den gelben Kerzen blühen am Straßenrand.
Wir entdecken Cecropien mit Früchten: das ist doch das Futter für wen?
Wir beobachten noch einmal in der Kaffee-Plantage und anschließend an einer Hangstraße über einem Gebirgsbach.
Inzwischen ist es heiß und schwül.
Zum Essen fahren wir wieder nach La Azulita in dasselbe Restaurant, in dem wir vor 2 Tagen waren.
Hier sind die Menschen genauso aufgeregt wie unser guter Jorge heute Morgen. Alle versuchen Geld bei den Banken abzuheben, da wohl eine massive Abwertung angekündigt worden ist.
Am frühen Nachmittag fahren wir zur Lodge zurück. Koffer packen, Hummingbirds angucken, mit Joe über die Zukunft klönen. Ganz lange erzählen wir über die Beobachtungen hier und die zukünftigen in Deutschland.
Jorge hat seine Nachbarn zu einer Versammlung zu sich ins Haus eingeladen. Aufgeregt und ausgiebig wird wohl über die nächste Zukunft diskutiert.
Wir warten einige Zeit auf das Abendessen, genießen es dann aber alle zusammen.
(Hoffentlich weckt Wolfgang uns morgen früh!)
Sonnabend, 5.12.2009
Schon um 4.15 Uhr müssen wir frühstücken.
In El Vigia sind wir um 6.30 Uhr.
Flughafengebühr und Gepäckgebühr! – Joe hilft auch hier!
Dann sitzen wir im Restaurant und nehmen Abschied. Es war großartig, super, ein ganz liebes Dankeschön. Auf Wiedersehen in Deutschland Joe.
„Geduldig“ warten wir auf den etwas verspäteten Abflug. Um 10.30 Uhr sind wir in Caracas.
Ganz lange bleiben wir im nationalen Teil des Flughafens. Erst nachmittags „wandern“ wir mit unserem Gepäck durch einen „Hochparterre – Tunnel“ zum internationalen Teil von Maiquetia. Schnell finden wir die Schlange vor dem Schaltergelände der Air-France.
Um 20.30 Uhr geht es von Amerika nach Europa zurück!
Sonntag, 6.12.2009
Paris, Regen, 12°C: 4 Stunden Aufenthalt. Weiterflug nach Hamburg. Unser Gert holt uns um 17 Uhr ab. Der große Gert geht mit seinem Gepäck zu Fuß nach Hause. Bis später!
Wolfgang fährt jetzt gleich nach Rostock und ruft nach seiner Ankunft an.
Bis zur nächsten Reise!

Birds in Venezuela